Vieri wirft hin: inter schon meister bei remis – milan muss risiko gehen
Christian Vieri zieht den Daumen über den Hals. „Zehn Punkte Vorsprung, wenn der Ball am Sonntagabend wieder stillsteht? Dann ist die Serie A durch“, sagt der Altstar – und meint damit nicht bloß die Tabelle, sondern die Köpfe. Was folgt, ist ein Rundumschlag durchs Derby-Gerüst, bei dem jeder Satz wie ein Fouleintrag wirkt.
Inter muss nicht rechnen – milan muss rennen
Die Rechnung ist schmerzhaft simpel: Gewinnt oder remisiert Inter, winkt die 18. Meisterschaft. Verliert die Nerazzurri, könnte der Vorsprung auf sieben Punkte schrumpfen – theoretisch. Praktisch? „Dann müsste Inter dreimal patzen und Milan zehn Mal gewinnen. Vergiss es“, sagt Vieri, der mit Milan noch immer eine Rechnung offen hat. Er spricht aus, was alle denken: Die Rossoneri brauchen einen K.o., sonst wird die Saison zur Geduldsprobe.
Der Plan von Stefano Pioli klingt paradox: hoher Block, schnelles Umschalten. Genau jene Konter, mit denen Milan im November in der Scala des Fußballs den Vorhang zuzog. Théo Hernandez und Rafael Leão starten wie Katapulte, während Inter aufpasst, „dass nicht wieder so ein Gagliardini-Pass in die Spitzenbahn landet“, wie es Vieri nennt. Er fordert: „Wenn du den Ball verlierst, ranz ihn um – mit Gelb, mit Rot, mit allem.“ Die Rede ist von der Notbremse als Taktik, ein Satz, der in den WhatsApp-Gruppen der Curva Nord noch Tage nachhallen wird.

Chivu spielt roulette – allegri spielt poker
Andrei Chivu feilt an einer Mauer, die selbst Vieri beeindruckt. „Er rotiert, er schont, er schaltet – und trotzdem gewinnt er.“ Die Kritik an der jungen Bank ist ihm egal; er setzt Esposito, setzt Arnautovic, setzt sogar Buchmann – und Inter läuft. „Das ist kein Glück, das ist Mut“, sagt Vieri, der in Chivu einen „Mourinho ohne Zynismus“ sieht.
Beim Gegner sieht er Massimiliano Allegri am Zug. „Wenn er gewinnen will, muss er angreifen. Punkt.“ Die 3-5-2-Grundordnung ist nur Startnummer. „Die wahre Frage ist: Wer spielt neben Leão die zweite Spitze?“ Modric und Rabiot sollen die Zentrale entzünden – ein Duo, das laut Vieri „nicht altern, sondern brillieren“ wird. Milan-Fans pfeifen Rabiot seit seiner „Sterbenspose“ im Oktober. „70.000 werden ihn empfangen – und er wird sie mit einem Außenrist abschicken“, prophezeit Vieri mit böser Freude.

Lautaro fehlt – esposito muss fliegen
Die größte Lücke steht zwischen den Pfosten: Lautaro Martinez fällt aus. „Das ist nicht einfach ein Stürmer, das ist der Turbo der Maschine“, sagt Vieri. Pio Esposito springt ein – 20 Jahre, 1,94 m, noch kein Schnurrbart, aber schon jetzt Luftnummer eins im Strafraum. „Er braucht acht, neun Flanken pro Hälfte. Dann wird er zum Helden“, fordert Vieri. Das Problem: Milan wird Dimarco und Dumfries mit doppeltem Personal begrüßen. „Wenn sie Zeit zum Auflegen haben, ist es zu spät.“
Die Bilanz der letzten Derbys nagt trotzdem an Inter. Sechs Spiele, kein Sieg – ein Fluch? „Zufall“, sagt Vieri und schlägt mit der Faust auf den Tisch. „Starke Teams machen sich keine Kopfsorgen, sie machen Tore.“ Die Statistik, die ihn stört, ist eine andere: nur 13 Punkte gegen die Top Six. „Dafür gibt’s keine Psycho-Analyse, nur eine Lösung: Tore schießen.“

Der countdown läuft – und die stadt erstickt
Am Sonntag um 20.45 Uhr wird die San Siro zum Hochofen. 75.000 Stimmen, eine Lok, die brüllt. Die Polizei sperrt die Piazza del Duomo bereits am Vormittag, die Flaggen sind ausverkauft. In den Bars kursiert ein Witz: „Wer nach 90 Minuten noch sprechen kann, war nicht dabei.“
Vieri lacht nicht. „Ich würde lieber wieder spielen als reden.“ Seine letzte Prognose ist hart, keine Floskel: „Inter gewinnt 2-1. Esposito köpft in der 83. Minute ein, Modric trifft per Fernschuss nur noch zum Anschluss.“ Dann legt er sich das Mikro um den Hals wie einen Schal. „Danach braucht Mailand keinen Titel mehr – nur einen Psychologen.“
