Venus knickt in bad homburg ein – 46 jahre alt und noch immer ein thriller

Venus Williams verlor in Bad Homburg 2:6, 6:4, 6:7 (6:8) gegen Irina-Camelia Begu – und das trotz eines Comebacks, das jeden jüngeren Spieler grün vor Neid gemacht hätte. Fast drei Stunden lang hielt die 46-Jährige die Kurpark-Arena in Atem, bevor sie im Match-Tiebreak eine Rückhand knapp hinter die Linie setzte und damit ihre elfte Niederlage in Serie besiegelte.

Der dritte satz war pure eiszeit

5:4 im Tiebreak – Venus schlug auf, sprintete ans Netz, legte den Volley auf die Linie… und sah, wie Begu mit dem Rückhand-Pass den Punkt holte. Kurz darauf flog ein Return auf die T-Linie, 6:7 (6:8). Keine Träne, nur ein Kopfschütteln. Die Menge applaudierte minutenlang, als wäre es ein Sieg, kein Aus.

Die Rumänin hatte zuvor schon zweimal den Satz aufgeben müssen, doch als es um Millimeter ging, traf sie die Linie. Venus? Sie spielte wie jemand, der seinen 1000. Geburtstag feiert und plötzlich merkt, dass die Kerzen doch ziemlich heiß sind.

Wimbledon lockt mit letztem gemeinsamen tanz

Wimbledon lockt mit letztem gemeinsamen tanz

Zwei Tage Ruhe, dann fliegt der Charter nach London. Dort trifft sie sich mit Serena – 14 Grand-Slam-Titel im Doppel, drei olympische Goldmedaillen, eine Legende in zwei Körpern. Für viele ist das Doppel-Comeback nur PR, für die Schwestern eine letzte Runde auf dem Rasen, auf dem sie einst die Tenniswelt auf den Kopf stellten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Venus noch ein Einzel-Match auf der WTA-Tour gewinnt, tendiert gegen null. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie in Wimbledon eine Show liefert, gegen 100. Die Quote kennt jeder Buchmacher, aber niemand traut sich, sie anzutippen.

Osaka marschiert, williams fliegt

Osaka marschiert, williams fliegt

Während Venus ihren Schläger verstaute, stand Naomi Osaka in der zweiten Runde bereits fest. Die Japanerin schickte Magdalena Frech mit 6:4, 6:1 nach Hause – Spielabbruch am Vortag bei 5:4, heute Aufschlag und Match. Kein Spektakel, nur Effizienz.

Bad Homburg hatte also beides: die Legende, die stolperte, und die Superstar-Konkurrentin, die davonläuft. Ein Tag, an dem die Zeit kurz stehen blieb – und dann doch weiterlief, wie immer im Sport.