Van der poel zittert, aber sprintet mit köpfchen zum sieg
70 Kilometer vor dem Ziel schien die Geschichte bereits geschrieben: Mathieu van der Poel sprengte das Feld am Taaienberg, schloss zu den Vorreißern auf und attackierte erneut am Paterberg – allein. Bis zu einer Minute Vorsprung rolte der Niederländer durch die flandrische Hölle, doch die Maschine begann zu stottern. 20 Kilometer vor Harelbeke öffnete sich eine Ritte, die niemand erwartet hatte.

Die jagd, die alles hätte ändern können
Stan Dewulf, Per Strand Hagenes, Florian Vermeersch und Jonas Abrahamsen rochen Blut. Ihre Kooperation war perfekt, der Rückstand schrumpfte auf Sekunden. Unter der roten Flagge schob Van der Poel sich sogar kurz in den Sattel, als warte er nur auf den finalen Stich. Doch genau in diesem Moment zerbarst die Verfolgerharmonie.
Vermeersch forderte Abrahamsen auf, durchzuziehen. Abrahamsen blieb sitzen. Hagenes schaute fragend. Ein Gestikulieren, ein kurzer Blick – und die Chance war dahin. Van der Poel erkannte die Lücke, schaltete zurück in den Kampfmodus und preschte erneut davon. Drei Sekunden retteten ihm den Tag, Hagenes wurde im Sprint Zweiter, vor Vermeersch.
„Natürlich hätte man es anders spielen können“, sagte Hagenes nach der Zieldurchfahrt. „Aber ich habe bewusst Risiko genommen. Niemand schloss die Lücke – das ist Radrennen. Zweiter Platz ist trotzdem mein bestes Ergebnis auf dieser Stufe.“ Teamchef Arthur van Dongen verteidigte die taktische Freiheit: Dewulf habe lange vorne gefahren, Abrahamsen sei an der Reihe gewesen, habe aber verzichtet.
Für Van der Poel war es der zweite Saisonsieg nach der Alpecin-Trainingswoche in Spanien. Doch die Zahlen zeigen: Seine Dominanz beschränkt sich nicht mehr auf die letzten 200 Meter. Er muss erstmals seit 2021 wieder 60 Sekunden Vorsprung allein verteidigen – und hat bewiesen, dass auch er nur Mensch ist. Die Frage ist nur, wie lange die Konkurrenz braucht, um diese Lücke endlich zu nutzen.
