Van der poel surft durch schotterchaos und schickt mailand-sanremo eine warnung
206 Kilometer, sieben Kilometer Schotterbrei und ein Sprint, der die Saison neu einfärbte: Mathieu van der Poel hat die zweite Etappe der Tirreno-Adriatico genommen, sich dabei mit mexikanischem Blut und italienischem Asphalt die Hände schmutzig gemacht – und am Ende einfach die größte Ruhe behalten.
Regen peitscht vorentscheidung herbei
Was vor Wochen noch als harmlose Streckenplanung aussah, verwandelte sich bei einsetzendem Regen in eine Naturalbummerung. Die Schotterpisten vor San Gimignano fraßen Reifen, spuckten Fahrer aus und kippten Selektionen um. Wer hier saß, fuhr ins Finale – wer schob, schaute. Van der Poel blieb sitzen, kurz wackelte das Hinterrad, dann preschte der Ex-Weltmeister wieder nach vorn, als hätte er das Stückchen Toskana schon mit Cross-Schuhen unter dem Bett liegen.
Hinter ihm verpuffte deshalb das Kalkül vieler Teams. In der Dreier-Entscheidung hatte nur noch Isaac del Toro die Spritzigkeit, dem Shootingstar aus Mexiko die neue Gesamtführung zu sichern. Giulio Pellizzari, Red-Bull-Hoffnungsträger, musste sich mit Rang drei begnügen – und mit dem Wissen, dass es auf den letzten Metern kein Drehbuch mehr gibt, sondern nur noch Beine zählen.

Der countdown läuft: 11 tage bis sanremo
Für van der Poel ist der Tag ein doppelter Gewinn: Er schraubt sich selbst ins Selbstbewusstsein und schraubt den Druck auf die Konkurrenz. Die Niederlage beim Strade-Bianche-Auftakt hatte Fragezeichen aufkommen lassen, ob die Frühform rechtzeitig eintrifft. Jetzt liegt die Antwort auf der Straße: Die Beine sind da, das Timing auch. Und die Botschaft an Tadej Pogacar und Co. ist klar – wer in Mailand den Via Roma entlang jagen will, muss zuerst an van der Poel vorbei.
Del Toro wird an der Ligurischen Küre nicht mehr für sich fahren, sondern als Leibwächter des Weltmeisters. Ein Luxusproblem für UAE Emirates, ein Albtraum für die Taktiker: Denn der Mexikaner hat bewiesen, dass er selbst in Schlammschlachten die Nerven behält. Die Frage lautet nicht mehr, ob er treten darf, sondern wann Pogacar ihn entlässt.
Die Saison der Monumente nimmt langsam, aber unaufhaltsam Gestalt an. Flandern und Roubaix rücken in den Kalender, doch zuerst steht die Pflaumenküste an. Wer dort die Zeitmessung knackt, darf sich selbst ein ganzes Jahr rufen – bis die Schotterpisten wieder rumpeln und die Reifen wieder quietschen.
