Valverde rettet athletic: drei punkte, ein herzinfarkt, ein neuanfang
San Mamés bebte, das Tor zitterte, das Herz klopfte. Am Ende standen drei Punkte, die Athletic Bilbao aus der Krise schlagen sollen – und ein Ernesto Valverde, der nach 2:1 gegen Las Palinas endlich wieder durchatmen durfte.
Erste halbzeit dominiert, zweite gezittert
„Wir haben die erste Hälfte kontrolliert, aber nach der Pause haben sie uns in die Ecke gedrängt“, sagte der Coach. Die Kanarischen Inseln schalteten um auf Vollgas, Athletic taumelte. Valverde reagierte, wechselte früh, um die drohende Lawine abzufedern. „Diese drei Punkte schmecken besser, als ihr euch vorstellen könnt“, gab er zu. Die Mannschaft habe gebrannt vor Neugier, endlich wieder Sieg-Luft zu schnuppern.
Die 35.000 in der Kathedrale spürten die Angst mit. Als Las Palmas das vermeintliche 2:2 erzielte – später wegen Abseits aberkannt –, „schien das Stadiondach einzustürzen“, gestand Valverde. Ein zweiter Gegentreffer binnen Minuten hätte Athletic erneut in den freien Fall geschickt. Stattdessen hielt Sancet mit seinem ersten Saisontor aus dem Spiel heraus die Fassade.

Sancet als zündfunke statt statistik
„Oihan ist enorm wichtig für uns“, betonte Valverde. Die Zahlen stimmen noch nicht, doch der Trainer schaut nicht auf Excel-Tabellen, sondern auf Fußballseelen. „Wir brauchen ihn in seiner besten Version.“ Sancet trägt Verantwortung und Druck, „aber ein Talent, das andere nicht haben“, so Valverde. Das Loblied ist Programm: Der 24-Jährige soll die Kreativität zurückbringen, die Athletic zuletzt vermissen ließ.
Die personelle Zange wurde noch enger. Laporte meldete Muskel-Probleme, Valverde plante schon um: Yuri als Not-Verteidiger, Izeta in der Spitze, Unai Gómez als linke Hilfe. Doch der Franzose gab grünes Licht, blieb auf dem Platz. Kurz entschlossen setzte Valverde auf Serrano und Navarro, um die Flügel zu stabilisieren. „Wir wollten keine Muskel-Tragödie riskieren“, sagt er trocken.

Kein applaus, nur pflicht
Von Huldigung keine Spur. „Heute war kein Festspiel, heute war Liga“, stellte Valverde klar. Die Fans schwiegen sich zunächst in Respekt, dann in Erleichterung. Keine Choreo, keine Rufe – nur der nächste Atemzug. Die Tabelle erlaubt wieder nach oben zu blicken, „wir schauen nach vorn und nach hinten“, so der Coach. Die Saison ist noch lang, der Ruf lautet: Weiterkämpfen.
Die Botschaft ist klar. Athletic lebt, aber auf Messers Schneide. Drei Punkte sind erst der Anfang, der Glaube kein Selbstläufer. Valverde kennt die Mechanik der Liga: Morgen kann das nächste Beben kommen. Heute aber durfte Bilbao feiern – leise, aber mit dem Gefühl, wieder aufzutauchen. Wer jetzt denkt, die Krise sei beendet, versteht nichts aus Fußball. Aber sie ist erträglicher geworden. Und das ist schon mal ein Anfang.
