Valencia entlässt den frust: gourlay fordert var-erklärung nach mallorca-drama
43 Sekunden reichten. 43 Sekunden, um das angeblich unvermeidbare Schweigen des VAR-Teams in Son Moix in einen offenen Krawall zu verwandeln. Ron Gourlay, Valencia CFs Football-CEO, stellte sich vor die Mikros, stampfte mit der Stimme und verlangte öffentlich Rechenschaft – penalti für José Luis Gayà in der 95. Minute? Fehlanzeige. Die Folge: ein 0:0, zwei verlorene Punkte und ein Klub, der sich endlich Luft macht.
Gourlay schlägt den frust nicht mehr im büro runter
„Ich bin enttäuscht. Ich bin wütend. Ich verstehe es nicht“, presste der Schotte zwischen zusammengebissenen Zähnen heraus. Die Kamera von À Punt und As lief, die Botschaft war klar: Valencia will keine internen Beschwerden mehr, sondern eine offizielle Erklärung des Schiedsrichter-Komitees. Denn das angebliche Foul von Pablo Maffeo an Gayà blieb weder vom Referee César Soto Grado geahndet noch von Valentín Pizarro Gómez im Kölner Leitungsgraben revidiert.
Die Zahlen sprechen für den Klub: laut interner Analyse hat der VAR in den letzten fünf Spielen vier Mal zugunsten Valencias nicht eingegriffen – gegen Osasuna, Villarreal, Alavés und nun Mallorca. „Es sind keine Einzelfälle mehr, es ist ein Muster“, wetterte Gourlay. Die Folge: ein Punktverlust nach dem nächsten, während die Konkurrenz am unteren Tabellenende davonzieht.

Die szene, die alles entfachte
95. Minute, Stand 0:0. Gayà zieht an der linken Grundlinie nach innen, will flach nach vorn servieren. Maffeo kommt mit dem rechten Stiefel spät, trifft Knöchel statt Ball. Gayà knickt ein, fällt, Soto Grado winkt ab, Pizarro Gómez bleibt stumm. Die Ballfrequenz: 0,3 Sekunden zwischen Kontakt und Bodenberührung – genug Zeit für eine Stellungnahme, wie Gourlay betont: „Es war die letzte Aktion, Zeit war genug da.“
Valencia zog auf Socials direkt den Vergleich: ein identisches Foul an einem Alavés-Spieler in Mestalla wurde im September zur Ecke und anschließend zum Elfmeter gepfiffen. Die Nebensätze des Klub-Posts: „¿Cuál es la diferencia?“ – und lieferte damit dem Komitee den nächsten Prüfauftrag.

Corberán hält sich zurück, der vorstand nicht
Trainer Carlos Corberán formulierte vorsichtiger, blieb aber auf derselben Wellenlänge: „Solche Entscheidungen lassen dich ratlos zurück. Gleiche Aktionen, unterschiedliche Urteile.“ Der Coach wollte keine Klage, aber eine klare Linie. Seine Führungsspieler um Gayà dagegen lieferten sich auf dem Rasen eine hitzige Diskussion mit Soto Grado, die in leeren Gelb-Karten endete.
Das Problem für Valencia: Mit 20 Punkten aus 22 Partien steht das Team einen Zähler über dem Strich. Jeder zusätzliche Punkt wiegt Gold, jeder verlorene kann am Saisonende den Abstieg bedeuten. Die Liga ist eng, die Nerven liegen blank.
Was jetzt kommt
Der Klub wird laut Gourlay offiziell ein Schreiben an den spanischen Verband senden und die Audio-Aufzeichnung des VAR-Gesprächs anfordern. Parallel prüfen die Juristen, ob ein Einspruch gegen das Spielberichtsformular möglich ist – reine Formsache, aber ein Signal. „Wir wollen Transparenz, nicht Geschenke“, betonte der CEO.
Die nächste Bewährungsprobe folgt schon am Sonntag gegen Girona. Dann wird Gayà wieder auflaufen, der Knökel gepolstert, der Frust im Nacken. Die Schiedsrichter haben Warnung genug – oder eben nicht. Denn wenn selbst 43 Sekunden reichen, um ein halbes Jahr Ungleichgewicht zusammenzufassen, bleibt nur eine Gewissheit: am 38. Spieltag zählen die Punkte, nicht die Entschuldigungen.
