Uzun-debatte bei eintracht: riera fordert vollprofis – droht abschied?
Frankfurt – Can Uzun, das Wunderkind der Eintracht, schmorte am Ostersonntag 90 Minuten auf der Bank. Trainer Albert Riera ließ wenig auf sich warten und deutete an, dass der Youngster defensiv noch zulegen muss. Eine knappe Bemerkung, die eine regelrechte Shitstorm-Welle auslöste und nun Fragen nach Uzuns Zukunft aufwirft.
Die schlagzeilen überschlagen sich
Die Medien stürzten sich auf die Situation. „Politikum Can Uzun“, titelte die Frankfurter Rundschau. „Zoff um Can Uzun: Wird der Eintracht-Star zum Pulverfass?“ fragte Gazete Futbol. Der Fokus online sprach von „seltsamen Ansagen“ und „hartem Druck“, während Sport Bild bereits über einen möglichen „Flucht“-Versuch spekulierte. Eine Überreaktion? Vielleicht. Aber die Gemüter sind heiß.

Rieras klare ansage: „ich will komplette spieler“
Im Nachhinein betonte Riera, dass seine Kritik nicht nur Uzun betreffe: „Er weiß, was er mit dem Ball und ohne den Ball zu tun hat. Wenn er das dem Team gibt, wird er spielen.“ Er machte deutlich, dass er von allen Spielern erwartet, sowohl offensiv als auch defensiv zu glänzen. „Einige Spieler haben nicht gespielt. Das kann an den Anforderungen des Spiels liegen oder daran, dass sie mit dem Ball gut sind, aber nicht ohne den Ball. Wer defensiv nicht mithält, hat keine Chance.“
Die Bild-Zeitung berichtet, dass Uzun von den Worten des Trainers „tief getroffen“ sein soll und nun sogar einen Sommerabgang in Erwägung zieht. Angesichts der Erwartungen, die an Profifußballer gestellt werden, erscheint diese Forderung jedoch weder ungewöhnlich noch übertrieben.

Das mainz-spiel als warnsignal
Schon beim Auswärtsspiel in Mainz (1:2) hatte Uzun nach seiner Einwechslung in der 79. Minute defensiv Schwächen gezeigt. Anstatt den Mainzer Spielmacher zu attackieren, trabte er neben Passgeber Sano her. Ein Bild, das Riera sicherlich nicht gefallen hat. Es offenbarte eine Diskrepanz zwischen Uzuns offensiven Talenten und seiner Defensivarbeit.

Keine wohlfühloase unter riera
Mit Albert Riera an der Seitenlinie ist bei der Eintracht kein Platz für eine „Wohlfühloase“. Der Präsident von Rieras Ex-Klub Olimpija Ljubljana, Adam Delius, hatte bereits im Januar im „kicker“ angekündigt, dass die Stürmer in Frankfurt „extrem in der Verteidigung mitarbeiten müssen“ und jeder „ein, zwei Kilometer mehr laufen“ wird. Riera ist gekommen, um die Mannschaft zu verhärten und die von Axel Hellmann beklagte Bequemlichkeit abzustellen.
Anders als im Fall von Mario Götze, der in Mainz überraschend fehlte, lieferte Riera eine nachvollziehbare Begründung. Er kommuniziert zwar manchmal etwas ungeschickt, aber in Sachen Uzun sprach er lediglich das aus, was bereits unter Dino Toppmöller ein Thema war: Defizite im Spiel gegen den Ball.

Die chance in wolfsburg
Uzun muss nun die Trainingswoche nutzen, um sich mit einer „Jetzt-erst-recht“-Mentalität aufzudrängen. Sollte sich Riera auch von der Tatsache überzeugen, dass Doan im Zentrum nicht sein bestes Spiel zeigt, könnte sich eine Chance für Uzun eröffnen.
Denn eines ist klar: Nur wer kämpft, wer ackert, wer sich voll reinhängt – auch wenn es mal unschön aussieht – hat eine Zukunft in Rieras Team. Der Ball liegt ganz klar bei Uzun. Wie er ihn nun spielt, entscheidet über seine weitere Rolle in Frankfurt.
