Upamecano vs. dembélé: normandie-duell mit 70 geladenen nachbarn

Paris – 70 Leute aus Evreux fahren morgen umsonst ins Prinzenparkstadion. Sie sollen sehen, wie zwei Jungs aus dem Quartier, die einst auf dem Beton neben dem Supermarkt kickten, einander in einem Champions-League-Halbfinale auslöschen. Dayot Upamecano und Ousmane Dembélé haben Busse gechartert, Karten bezahlt, sogar das Sandwich liegt bereit. Freundschaft pausiert ab 21:00 Uhr.

Rückkehr des stillen kommandanten

Upamecano saß am Montag auf dem Podium, sprach zuerst Deutsch, weil er kann, dann Französisch, weil er musste. Fünf Jahre Bayern haben ihn lauter gemacht – auf dem Platz. Neben Harry Kane und Manuel Neuer gibt er mittlerweile die Richtung vor, ein Innenverteidiger mit Metronom-Stimme. Doch außerhalb der Linien bleibt die Zurückhaltung, die ihn als 14-Jährigen nach Valenciennes trug und später nach Salzburg.

Jetzt, mit 27, steht er vor der prägendsten Nacht seiner Karriere: Heimatstadt gegen Heimatland, Freund gegen Freund. „Wir haben einander das Spiel erklärt, nicht das Herz ausgerissen“, sagt er und meint die Vorbereitung. Dembélé kennt jede Bewegung, Upamecano kennt jeden Trick. Beide wuchsen 200 Meter voneinander entfernt auf, trennten sich erst, als Europa sie einlöste.

Gastgeber und jäger in derselben stadt

Gastgeber und jäger in derselben stadt

Die Statistik spricht für den Jäger: In drei direkten Duellen seit 2020 schoss Dembélé kein Tor, lief aber 34 Mal an Upamecano vorbei. Die Zahl ist kein Zufall. Der Franzose pendelt zwischen beiden Flügeln, zieht nach innen, sucht den Doppelpass mit Barcola. Upamecano wird nicht allein jagen; er hat Kim Min-jae und eine gesamte Vorwärtsbewegung zur Seite. „Er ist überall gleichzeitig“, sagt der Verteidiger, „deswegen sind wir elf, nicht einer.“

Die 70 mitgereisten Nachbarn werden in Block 117 sitzen, zwischen Paris-Ultras und den 4 000 Bayern-Fans. Sie tragen Shirts mit aufgedruckter Postleitzahl 27000 – Evreux. Keiner weiß, für wen er jubeln soll. Upamecano lacht: „Sie sollen einfach nur stolz sein, dass zwei von uns so weit gekommen sind.“

Wenn der Schiri pfeift, ist Schluss mit Sentimentalität. Dann muss Upamecano den Ballon-d’Or-Kandidaten in eine Falle locken, muss Dembélé die Lücke hinter Kimmich treffen. Einer wird jubilen, einer wird den Kopf sinken lassen. Die Freundschaft reicht bis zum Rückspiel, danach wieder bis zur Rente. Heute Abend zählt nur, wer nach 90 Minuten noch Luft hat.

Die Busse stehen bereit, die Stadt schläft noch. In zwölf Stunden wissen wir, ob Evreux einen Helden oder zwei hat.