Unterzahl-krimi in wien: sabitzer schießt österreich mit 10 mann zum wm-feuer
Was für eine Generalprobe! Ralf Rangnick muss in Wien mitansehen, wie sein Bayern-Verteidiger Konrad Laimer nach Handspiel die Rote Karte kassiert – und trotzdem feiert Österreich einen 1:0-Sieg gegen Tunesien. Marcel Sabitzer trifft kurz nach der Stunde, und plötzlich steht fest: Die ÖFB-Elf fliegt mit Rückenwind in die WM 2026.
Platzverweis und aluminium-festival
Der Knackpunkt kommt in der 37. Minute. Laimer stolpert, streckt die Hand aus, verhindert die klare Torchance. Schiri Jeremie Pignard zückt Rot, die Hallettribüne zieht die Luft ein. Zwei Minuten später schlägt der Ball an die Latte – Anis Ben Slimane hätte das Spiel drehen können. Davor klingelte es bereits zweimal beim Aluminium, Hannibal Mejbri trifft Pfosten und Latte binnen sechs Minuten. Die Statistik wird zur Droge: Tunesien dominiert die erste Halbzeit, doch der Ball will nicht rein.
Rangnick wirft in der Pause die System-Frage um, stellt auf Fünferkette um, setzt Sabitzer ins Zentrum. Der BVB-Profi liefert prompt: Fünf Minuten nach seiner Einwechslung verwandelt er eine flache Hereingabe aus dem Halbfeld zum 1:0. Wien tobt – und ahnt nicht, dass der Wahnsinn gerade erst beginnt.

66 Sekunden, zwei pfosten, ein jubel
In der 66. Minute jagt Marco Friedl den Ball ans Außennetz, Sekunden später knallt Stefan Posch die Kugel an die Querlatte. Die Uhr steht auf 66:10, und das Ergebnis bleibt 1:0. Es ist jene Szene, die Rangnick später als „Katalysator“ bezeichnet: „Wenn der dritte Aluminium-Treffer reingeht, stehen wir hier mit 1:3 da.“ Doch die Mauer hält, Schlager pariert, die Kurve singt.
Dahinter steckt Arbeit: Rangnick trainierte die defensive Umstellung vier Tage lang auf dem Platz neben dem Happel-Stadion. Seine Bank reicht von Freiburg-Angreifer Michael Gregoritsch bis zum Rapid-Youngster Matthias Seidl. Acht Bundesliga-Akteure stehen in der Startelf, nur Schlager fehlt noch das deutsche Oberhaus-Debüt. Die Tiefe ist da, die Frage lautet nur: reicht sie für Jordanien, Algerien und – oh Schreck – Weltmeister Argentinien?

Tunesien zittert weiter, österreich jubelt früh
Während die Nordafrikaner am Samstag in Brüssel gegen Belgien antreten, packt Österreich bereits die Koffer. Der geplante Test in Pasadena fiel aus, Guatemala sagte ab, kein Ersatzstadion war greifbar. Also wird Wien zur Generalprobe, und die stimmt euphorisch: Letztes Heimspiel vor dem Turnier, letzter Sieg, letzter Beweis, dass Unterzahl kein Schicksal sein muss.
Die WM-Vorrunde startet für Österreich am 17. Juni. Ort: Los Angeles, Rose Bowl. Gegner: Jordanien. Stimmung: Feuer. Die rangnicksche Lehre aus Wien lautet: „Wenn wir mit zehn Mann so kämpfen, brauchen wir mit elf keine Angst vor niemandem zu haben.“ Die Zahlen sprechen dieselbe Sprache: drei Aluminium-Treffer für Tunesien, einer für Österreich – und dennoch steht 1:0. Manchmal entscheiden nicht die Chancen, sondern der Mut, sie zu nutzen.
