Union berlin reist mit zitternder abwehr und rönnow-zitter nach freiburg

Die Zahlen sind ein Offenbarungseid: ein Sieg aus zehn Spielen, vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, ein Abwehrchef gesperrt, ein Keeper mit Schrecksekunde. Union Berlin fährt am Sonntag nach Freiburg – und der Abstieg fährt mit.

Rothe kehrt zurück, querfeld bleibt daheim

Leopold Querfeld, die Stimme und die stählerne Schulter der Viererkette, muss wegen Gelbsperre zuschauen. Tom Rothe, seit 6. Dezember außer Gefecht, steht nach dreitägigem Mannschaftstraining wieder im Kader. Drei Tage. Das ist keine Wiedereingliederung, das ist ein Sprung aus der Reha-Klinik in den Breisgauer Kampf. Baumgart nennt das „ein klares Zeichen“, gemeint ist: Wir haben keine andere Wahl.

Die gute Nachricht kam vom Tor. Frederik Rönnow knickte am Mittwoch um, hielt sich die Augen zu, schien raus. Diagnose: keine Bänder weg, nur Schmerzen. Er trainierte bereits durch, wird mitfahren. Matheo Raab bleibt bereit, Seifensieder-Image inklusive – 16 Pflichtspiele in Folge stand er zuletzt nur im Kasten der Reserve.

Freiburgs heimserie droht wie ein betonklotz

Freiburgs heimserie droht wie ein betonklotz

16 Heimpartien. Keine Niederlage. Christian Streichs Mannschaft spielt sich in ihrem Schwarzwaldstadion in einen Rausch, in dem Gegner nur noch mit Kater wieder rauswanken. Union dagegen wankt ohnehin. Die Winterpause lag noch in weihnachtlicher Ferne, da war Union Tabellenachter. Jetzt sind es sechs Punkte Rückstand auf Freiburg und vier Punkte Vorsprung auf Stuttgart, das heißt: 34 Punkte minus 30 Punkte, das ist die Sprachlosigkeit der Tabelle.

„Wir haben eine Mannschaft, die leistungsmäßig auch schon den einen oder anderen Punkt mehr haben können“, sagt Baumgart. Gemeint: Gegen Gladbach traf die Latte, gegen Bochum der Pfosten, gegen Mainz der Schiri. Fußball bietet kein Mitleid, nur einen neuen Spieltag.

Baumgart schreibt das manuskript für den notstand

Baumgart schreibt das manuskript für den notstand

Die Aufstellung wird sich kaum ändern, weil sie sich kaum ändern lässt. Knoche, Jaeckel, Leite – das Trio, das Querfeld ersetzen soll, kostete zusammen 3,5 Millionen Euro Ablöse, klingt wie ein Schnäppchen, wirkt wie ein Wackelmodell. Vorne behält Baumgart angeblich Volland und Bénié parallel, ein System, das eigentem keines ist, sondern eine Notlösung mit zwei Stürmern, weil ein Mittelfeldspieler – Schäfer – fehlt und weil Tore seit Januar Mangelware sind.

Die Frage ist nicht, ob Union gewinnt. Die Frage ist, wie lange sie noch oben bleibt, wenn sie verliert. Die Antwort liefert die Tabelle gnadenlos: vier Punkte, dann ist die 2. Liga kein Gespenst mehr, sondern ein Fakt.

Um 17.30 Uhr rollt der Ball im Breisgau. Um 19.30 Uhr weiß Union, ob der Abstieg näher rückt oder ob die Saison doch noch ein zweites Kapitel bekommt. Bis dahin zählt nur eins: Punkte. Alles andere ist Schönrederei.