Undavs revanche-pläne: stuttgart zieht in porto die klinge

Deniz Undav spuckt keine großen Worte aus. „Wir müssen gewinnen. Punkt.“ Der Stürmer des VfB Stuttgart hat die Rechnung für Estádio do Dragão schon gemacht: 2:0 reicht, 3:1 auch. Alles andere fliegt raus aus der Europa League. Das 1:2 aus dem eigenen Stadion brennt noch in den Knochen – und im Hirn.

Was in der Mercedes-Benz-Arena passierte, war kein Fußballspiel, sondern ein Kraftakt mit Nebenwirkungen. Porto trat, wo der Rasen endete. Stuttgart trat zurück – zumindest physisch. Gelb, Gelb-Rot, theatralische Einlagen. „Die haben sich ganz schön ausgetobt“, sagt einer aus dem Innenkreis. Die Lautstärke in der Kabine nach Abpfiff: lauter als die Südtribüne. Die Botschaft war klar: Revanche, aber mit Köpfchen.

Die dreierkette soll die drachentöter werden

Die dreierkette soll die drachentöter werden

Sebastian Hoeneß muss sich entscheiden: Sicherheit oder Tempo? Gegen Leipzig lief Finn Jeltsch, Luca Jaquez und Ramon Hendriks auf – und schaltete den Leipziger Angriff wie einen Sicherungskasten. Hendriks legte Diomande lahm, Jeltsch riss Olmo aus dem Spiel, Jaquez war der Libero, der nie libero steht. Die Folge: Null Gegentor, zwei Punkte, ein Klasse-Sechser. Maximilian Mittelstädt und Jeff Chabot saßen draußen – und werden jetzt wieder laut.

Chabot, zuletzt angeschlagen, aber in Top-Form. Mittelstädt, Linksverteidiger mit Laufwerk eines Marathonläufers. Hoeneß’ Problem: Wer raus, wer rein? Die Antwort bekommt die Mannschaft erst am Donnerstagmittag, wenn der Trainer die Taktik-Leinwand im Teamhotel rollt. Fakt ist: Der VfB wird nicht nur mit Sturm, sondern mit drei Mann hinten starten. Die Brechkraft liegt in der Schnelligkeit der Außenverteidiger, die sofort zu Außenstürmern mutieren.

Undav lacht nicht, wenn er an Porto denkt. „Endspiel Nummer zwei“, sagt er. Das Pokalfinale gegen Leverkusen war ein Tanz auf Vulkan – verloren, aber mit Anzug und Krone. Jetzt droht erneut ein Aus, nur ohne Trostpreis. Die Zahlen? Seit 17 Pflichtspielen traf er 14 Mal. In der Europa League ist er der deutsche Top-Scorer. Porto kennt seine Torgefahr, hat ihn in Stuttgart mit Doppeldeckung gefilzt. „Dann mache ich eben das 15.“, sagt Undav. Kein Witz in seiner Stimme.

Die restliche Saison liest sich wie ein Horrorprogramm: Dortmund, Bayern, Leverkusen. Doch erst mal heißt es: Dragão. 50.000 Portugiesen, die pfeifen wie Dampfmaschinen. Stuttgart nimmt 8.000 mit – und ein Geheimrezept: die Leipziger Wut. „Giftig und aggressiv“, fordert Kapitän Atakan Karazor. Keine Schauspielerei, keine Tränen. „Wir holen das Viertelfinale nach Hause“, sagt er. Und dann? Dann schaut keiner mehr auf das 1:2, sondern nur auf das 2:0. Oder 3:1. Oder mehr.