Túnez entlässt lamouchi: ein fragwürdiger trend im wm-chaos?

Ein Schock für die Fußballwelt: Nur wenige Stunden nach der desaströsen 1:5-Pleite gegen Schweden hat Tunesien seinen Nationaltrainer Sabri Lamouchi entlassen und den überraschenden Schritt gemacht, Hervé Renard zu nominieren. Doch dieser radikale Eingriff ist keineswegs ein Einzelfall. Die Frage, die sich nun stellt: Kann ein Trainerwechsel mitten im Turnier wirklich Wunder bewirken?

Die seltene kunst des vorzeitigen rauswurfs

Die seltene kunst des vorzeitigen rauswurfs

Laut Squawka ist dies bereits die fünfte WM in der Geschichte, in der ein Nationaltrainer während des Turniers gefeuert wurde. Tunesien ist dabei kein Unbekanntes: Bereits 1998 traf man eine ähnliche Entscheidung – mit ebenso fragwürdigem Ausgang. Die Vorreiterrolle in dieser bizarren Tradition nahm 1954 Schottland ein. Nach einer klaren 0:1-Niederlage gegen Österreich trat Andy Beattie nach lediglich vier Monaten im Amt zurück. Ein fast schon einzigartiger Fall.

Doch anstatt die Stimmung zu heben, führte der Trainerwechsel zu einem katastrophalen Ergebnis. Die „Tartan Army“ schied nach einer demütigenden 0:7-Pleite gegen Uruguay frühzeitig aus. Beattie kehrte zwar später noch einmal zurück, doch seine zweite Amtszeit endete bereits 1960.

Die WM 1998 offenbarte das wachsende Interesse an kurzfristigen Lösungen. Saudi-Arabien, Südkorea und erneut Tunesien wagten den Trainerwechsel mitten im Turnier – mit verheerenden Folgen. Alle drei Teams schieden in der Gruppenphase aus.

Die Tunesier entließen Henryk Kasperczak, der sie zuvor überraschend erfolgreich bei der Afrikameisterschaft 1996 platziert hatte, nachdem England (0:2) und Kolumbien (0:1) die Chancen auf das Achtelfinale zunichte gemacht hatten. Ali Selmi übernahm für das letzte Spiel gegen Rumänien (1:1) und konnte zumindest einen Punkt retten. Auch Kasperczak kehrte später noch einmal zurück, zwischen 2015 und 2017.

Ähnlich dramatisch verlief die Situation in Saudi-Arabien, wo der Weltmeister von 1994, Carlos Alberto Parreira, nach einer 0:1-Niederlage gegen Dänemark und einer 0:4-Pleite gegen den späteren Weltmeister Frankreich seinen Job verlor. Mohammed Al-Kharashy übernahm das Ruder für das letzte Gruppenspiel gegen Südafrika (2:2), konnte aber keine Wunder bewirken.

Südkorea, als Gastgeber der WM 2002, folgte dem gleichen Muster. Nach einer 1:3-Niederlage gegen Mexiko und einer 0:5-Schlappe gegen die Niederlande wurde Bum-kun Cha entlassen. Auch hier wiederholte sich die Geschichte: Mit Interimstrainer Kim Pyung-seok konnte lediglich ein Unentschieden gegen Belgien (1:1) erreicht werden.

Seitdem hat niemand mehr den Mut gehabt, einen Trainer während einer WM zu entlassen. Kann Tunesien mit Hervé Renard die Geschichte umschreiben? Angesichts der Vergangenheit erscheint dies unwahrscheinlich, doch mit 32 Teams, die sich für die nächste Runde qualifizieren müssen, ist alles möglich. Die Frage ist: Wird Renard die „Wüstenfüchse“ retten können, oder wiederholen sie den fatalen Fehler ihrer Vorgänger?