Tuchel zögert: fodens wm-ticket plötzlich in gefahr
Phil Foden lachte breit, als er in das Trainingscamp von England kam. Drei Wochen später droht ihm der große Sturz. Nationaltrainer Thomas Tuchel stellte den Man-City-Star öffentlich ins Kreuzverhör – und ließ offen, ob der 25-Jährige überhaupt nach Kanada, Mexiko und die USA reist.
Tuchel zerpflückt fodens leistung in zwei sätzen
„Herausragend im Training, aber er hat Probleme, das im Spiel umzusetzen“, sagte der 52-Jährige nach dem 0:1 gegen Japan. Die Worte klingen wie ein Todesstoß für einen Spieler, der bei Manchester City zuletzt nur noch Joker-Rollen spielte und dessen Marktwert trotzdem bei 80 Millionen Euro klopft. Nur Erling Haaland ist City-intern teurer – doch was nutzt das, wenn der Coach dich nicht aufs Feld schickt?
Die Zahlen sind gnadenlos: Seit seinem Länderspiel-Debüt im September 2020 kam Foden auf 49 Einsätze, doch nur in der Hälfte davon blieb er über 70 Minuten auf dem Rasen. Gegen Uruguay und Japan jetzt wieder: Startelf, dann Auswechslung nach einer Stunde. Kein Tor, keine Vorlage, kein Durchbruch.

Die konkurrenz ist jünger, schneller, gnadenloser
Hinter Foden lauern Cole Palmer, Bukayo Saka und Jude Bellingham – allesamt bereits gesetzt. Dazu kommt Anthony Gordon, der bei Newcastle die Schnelligkeit mitbringt, die Tuchel gegen tiefe Abwehrreihen braucht. Die Aussichten für Foden? Im offensiven Mittelfeld stehen aktuell sieben Spieler vor ihm, die letzte Saison durchgehend 90 Minuten gespielt haben.
Tuchel betonte zwar, „ein schwächelnder Spieler kann mitkommen“, fügte aber sofort hinzu: „Ob wir das tun, ist eine andere Frage.“ Die Deadline rückt näher: Am 30. Mai muss der endgültige 26-Mann-Kader bei der FIFA eingereicht werden. Bis dahin hat Foden exakt zwei Testspiele – gegen Belgien und Brasilien – um seinen Platz zu retten.

Der emotionale preis eines superstars
Was die Statistik nicht zeigt: Foden trainiert laut Mitspielern mit „Wut im Bauch“, weil Pep Guardiola ihn bei City in den entscheidenden Phase der Saison draußen ließ. Diese Wut wollte er in Englands Camp umwandeln – doch stattdessen spricht nun der Bundestrainer öffentlich über ihn, als wäre er ein Talent aus der U-21. Das nagt an Selbstvertrauen, das Foden braucht, um seine Ballbehandlung und seine Überraschungsmomente auf den Rasen zu bringen.
Die ironische Pointe: 2022 in Katar war Foden Dauerbrenner, spielte vier von fünf Spielen und galt als Hoffnungsträger. Vier Jahre später könnte genau diese Erfahrung zählen – wenn Tuchel sich für Erfahrung statt für Form entscheidet. Doch der Trainer ist kein Sentimentalist. „Ich nehme keine Reisebusfahrer mit, sondern 26 Profis, die sofort liefern können“, sagte er nach der Japan-Pleite.
Die Entscheidung fällt in neun Tagen. Bis dahin muss Foden nicht nur Tuchel, sondern auch sich selbst überzeugen. Sonst bleibt das breite Grinsen vom ersten Tag nur noch eine Erinnerung – und der teuerste Zuschauer der WM sitzt in den Stadien von Arlington bis Mexiko-Stadt.
