Tuchel rudert zurück: maguire und mainoo rücken in den 35-mann-fokus
Thomas Tuchel geht in seine erste Länderspielpause als England-Chef und schickt sofort ein Signal: Wer bei Manchester United in Form kommt, landet im XXL-Kader. Zurück im Drei-Löwen-Trikot: Harry Maguire und Kobbie Mainoo – beide lagen noch vor wenigen Wochen auf dem Abstellgleis.
Die Zahlen sind verblüffend. Maguire feierte unter Michael Carrick sieben Premier-League-Einsätze in Serie, Mainoo sammelte in diesem Kalenderjahr bereits 900 Minuten – mehr als in der kompletten Vorsaison zusammen. Ihre Belohnung folgt am Freitag, als Tuchel 35 Namen durchs Fax jagt, so viele wie noch kein Vorgänger.
Warum der deutsche auf überdimension setzt
„Wir wollen interne Konkurrenz erzeugen und zugleich Alternativen für die USA sichtbar machen“, erklärt Tuchel. Dahinter steckt Kalkül: Bis Juni muss er auf 26 Köpfe runterbrennen, will aber jeden Spielertyp zweimal auf dem Trainingsplatz gesehen haben. Die Botschaft ist klar: Leistung vor Reputation.
Bei den Tests gegen Uruguay und Japan dürften beide United-Profis Spielminuten erhalten. Maguire soll die Rückraum-Führung übernehmen, Mainoo die Sechser-Position mit Ballerkundung. Ein Auftritt mit Visitenkarten-Charakter, denn in der WM-Gruppe L warten mit Kroatien und Ghana Gegner, die Raum mit zweitem Ball bestrafen.
Tuchel verzichtet indes auf Trent Alexander-Arnold. Der Madrilenischer Rechtsverteidiger ist zwar genesen, aber noch nicht in seinem Selektions-Kopf. Stattdessen fliegt Brighton-Reservist Jason Steele mit – ein Keeper, der in dieser Saison exakt null Liga-Einsätze aufweist. Die Logik: Erfahrung im Klub-Umfeld, Trainingsspannung im Kader.

Der versteckte favorit heißt calvert-lewin
Dominic Calvert-Lewin schlägt in Leeds zwölf Kilometer pro Spiel, erzielt 0,38 Tore pro 90 Minuten – bei Platz zwei der Zweitliga-Scorer. Seit 2021 war er abgeschrieben, nun soll er Kane entlasten. Tuchel lobt: „Er bietet Tiefe, Kopfballvariante, Strafraumpräsenz.“
Die Fans fragen sich: Reicht das, um in den englischen Medienzirkus zu überstehen? Die Antwort liefert die Zahl 35. Noch nie zuvor nominierte ein England-Coach so viele Profis in einem Schub – ein Experiment mit 180 Minuten Testspielzeit, um den Kader bis zur WM auf 26 Härtewerte zu trimmen.
Für Maguire und Mainoo beginnt jetzt der Countdown. Ein guter Auftritt in Wembley, und der United-Duo fliegt im Sommer nach Amerika statt in den Urlaub. Sport ist eine Achterbahn. Bei Tuchel zählt nur der nächste Looping.
