Tristan da silva tritt aus wagners schatten und ballert magic zum sieg
Orlando – 26 Punkte, Karrierebestwert, Block in letzter Minute: Tristan da Silva hat die Magic in der Verlängerung gegen die Wizards gerettet und dabei bewiesen, dass er ohne Franz Wagner nicht nur ausfüllt, sondern aufdreht.
Der münchner liefert den eindrucksvollen beweis
136:131 hieß es am Ende, der sechste Sieg in Folge für Florida. Und mittendrin der 24-jährige Oberbayer, der sich in der zweiten Saison NBA vom fraglichen Rotationsplayer zur defensiven Leitplanke gemausert hat. „Die Trainer haben mich seit Tag eins gefordert“, sagte er nach dem Spiel, „meine Defense war das große Fragezeichen. Heute hat sie uns den Sieg gekocht.“
Dabei hätte niemand es ihm verdenken können, sich auf die Titelseite zu feiern. Stattdessen zählte er Bane, Banchero, Suggs auf – sich selbst nicht. Typisch da Silva: lieber locker aus München, als laut aus Los Angeles. Aber die Zahlen sprechen für ihn: 26 Zähler, 8 Rebounds, 3 Blocks, davon der letzte 21 Sekunden vor Schluss gegen Jordan Poole, der die Wizards auf zwei Punkte hätte heranbringen können.
Die Szene war kurz, brutal, deutsch. Ein Step-back, ein Handcheck, dann die verlängerte Hand des Münchners – Ball raus, Saal leer, Orlando jubelt. Trainer Jamahl Mosley sprach später von einem „grown-man play“, einem Akt reifer Körperbeherrschung. Für da Silva war es nur ein weiterer Arbeitsnachmittag. „Wir haben Leute, die sich in kritischen Momenten nicht verstecken. Ich will einer von denen sein“, sagte er.

Ohne wagner wird die pflicht zur kür
Franz Wagner fehlt seit Ende Februar mit einem Knöchel, seine Rückkehr ist offen. In dieser Lücke ist da Silva vom College-Projekt zum Playoff-Faktor geworden. Sein Verteidigungsrating ist seit Januar um 4,2 Punkte gestiegen, seine Dreierquote liegt bei 41 % – beides Karrierehochs. Orlando liegt aktuell auf Platz vier im Osten, ein Satz, den man vor zwei Jahren nicht für möglich gehalten hätte.
Die Magic setzen auf Länge, Athletik und deutsche Nerven. Da Silva lacht, wenn man ihn auf sein Herkunftsland anspricht: „Ich bin Bayern-Fan, ich kenne Druck. Aber hier geht’s ums Business, nicht ums Bierzelt.“ Und Business bedeutet: jeden Tag ein bisschen besser werden, bis der Playoff-Kampf beginnt. „Es hört hier nicht auf“, wiederholte er, „nächste Woche warten die Celtics.“
Orlando hat seine Hausaufgaben gemacht, da Silva seine Hausmarke. Aus München mitgebracht: Ruhe, Arbeit, kein Bla-Bla. Die NBA lernt gerade, dass man ihn nicht unterschätzen darf – und dass Bayern-Jungs eben doch können, was der Rest der Welt beherrscht: Klarheit in schwierigen Sekunden. Der Block gegen Poole war nur der Auftakt. Die Postseason wird zeigen, wie weit die Reise reicht. Für da Silva ist sie längst begonnen.
