Trezeguet zieht bilanz: juve braucht tore statt talente

David Trezeguet sitzt 12.000 Kilometer entfernt in Buenos Aires, doch die schwarz-weiße Seele zittert ihm durch die Adern. Der beste Ausländer, der je für die Juventus traf, spricht Klartext: Ein Stürmer trägt sich nur mit Toren ein, alles andere ist Rauschen.

Die lektion aus turin: siegen oder schweigen

171 Treffer in 318 Pflichtspielen – die Zahl steht bronziert im Museum von J-Stadium. „Wenn du nicht triffst, wirst du nicht geliebt“, sagt Trezeguet und lacht schulterzuckend. „Ich habe gelernt, dass Algorithmen nur für Analysten wichtig sind. Für uns zählte das Netz.“

Heute jagt er mit River Plate neue Sponsoren, doch die Augen wandern ständig nach Europa. Dusan Vlahovic habe ihn enttäuscht, gesteht er. „Fünf Jahre Turin, und wir reden noch von Potenzial. Bei der Juve ist Potenzial ein Fremdwort – da wird Ergebnis gesprochen.“

Lewandowski statt wundertüte: die transfer-forderung

Lewandowski statt wundertüte: die transfer-forderung

Die Vertragsverlängerung des Serben? Kein Thema für Trezeguet. Er würde sofort zu Robert Lewandowski greifen – 37 Jahre hin oder her. „Vierzehn Tore beim FC Barcelona, obwohl er nicht mal immer spielt. Das ist Klasse, nicht Instagram.“

Die Sommermonate nennt er „Fenster der Wahrheit“. Dort müsse die Klubführung zugreifen, sonst drohe ein weiteres Jahr der Erklärungen statt der Meisterschaft. „Lewandowski weiß, warum man ihn holt: Tore, Titel, Ruhe.“

David aus lille: zweite chance ja, aber ohne reklame

David aus lille: zweite chance ja, aber ohne reklame

Jonathan David habe sich mit der 25-Tore-Ansage selbst ans Bein gespielt. „Das ist wie beim ersten Date sagen: Ich heirate dich nächste Woche.“ Der Kanadier dürfe bleiben, aber nur, wenn er aufhört, Wünsche zu versprechen und anfängt, Sätze zu schreiben.

Trezeguet kennt die Serie A-Defensiven. „Jeder Gegner analysiert dich bis auf die Schuhgröße. Wer nicht bereit ist, sich in der Area klein zu machen, fliegt raus.“

Der pokal, der nie zurückkehrte

Der pokal, der nie zurückkehrte

2006 war Barça an der Reihe, Juve schaute zu. „Wir hatten Cannavaro, Buffon, Nedvěd – und verloren trotzdem die Champions League. Seitdem warte ich auf die zweite Krönung.“ Sechs Jahre ohne Scudetto, das ist für ihn eine Halbzeit ohne Tor. „Die Fans sind leidenschaftlich, aber auch leidensfähig. Die Geduld endet, wenn die Tore ausbleiben.“

Er selbst blieb nach dem Abstieg in Serie B. „Wir spielten in Arenen, die normalerweise Hochzeiten feiern. Jeder Gegner hatte sein Endspiel, wir hatten die Pflicht. Diese Saison hat mein Herz größer gemacht als jede Trophäe.“

Am Ende bleibt ein Satz, den er Zinedine Zidane verdankt: „In Turin zählt nur das Netzerschüttern.“ Wer dieser Logik nicht folgt, fliegt – egal wie teuer die Ablöse war. Trezeguet lässt die Kaffeetasse sinken und blickt Richtung Horizont. „Hol Lewandowski. Dann reden wir wieder über Titel statt Talente.“