Trauer und tore: mbappé trifft haaland – aber ohne deschamps an der linie
Der Gruppenshowdown zwischen Frankreich und Norwegen hätte das Duell der Superstars werden sollen. Jetzt steht der Ball still. Kylian Mbappé und Erling Haaland treffen sich am Freitagabend in Foxborough, doch der Blick der Équipe Tricolore gilt einem Mann, der an diesem Abend fehlen wird: Didier Deschamps. Die Mutter des französischen Trainers ist gestorben, und so führt ausgerechnet Guy Stéphan die Equipe – ein Assistent, der Deschamps seit zwölf Jahren besser kennt als jeder andere.
Trauer statt torjubel
In den vergangenen Trainingseinheiten herrschte Stille statt Sprintdrill. Die Spieler bildeten einen Kreis, trugen dunkle Kapuzenjacken und senkten die Köpfe. Mbappé postete ein Foto, dazu die Zeile: „Wir sind bei dir, Chef.“ Die Botschaft ging direkt an Deschamps, der sofort nach Frankreich gereist ist. Für die Mannschaft bleibt nur die Pflicht, das Spiel für ihn zu gewinnen – ein Unentschieden reicht für den Gruppensieg.
Die Stimmung ist seltsam. Normalerweise würden sich jetzt alle auf das Duell Mbappé gegen Haaland konzentrieren. Beide haben vier Tore auf dem Konto, beide jagen dem Goldenen Schuh hinterher, beide wissen, dass ein weiterer Treffer den Rhythmus für die K.o.-Runde setzt. Doch das verblasst.

Norwegen nimmt den fuß vom gas
Stale Solbakken hat schon durchblicken lassen, dass er rotieren wird. „Mir ist der Sturm auf die Torjägerkrone scheißegal“, sagte der norwegische Coach. Haaland selbst klang noch nüchterner: „Das Spiel ist nicht so wichtig, wir sind weiter.“ Für Norwegen steht nach zwei Siegen ohne Gegentor bereits das Achtelfinale fest. Ein Punkt würde Platz eins besiegeln, aber warum riskieren?
Frankreich dagegen braucht Antwort auf eine Frage, die niemand stellen wollte: Wer übernimmt die Führung, wenn der Kommandeur fehlt? Stéphan kennt die Antwort – er hat Deschamps schon während der EM 2012 vertreten. Die Spieler kennen seine Stimme, seine Handschrift, seine Rituale. Aber das Herz des Teams schlägt gerade woanders.

Ein spiel, das niemand wirklich will
Trotzdem: Wenn am Freitag um 21.00 Uhr Ortszeit der Ball rollt, wird das Stadion kochen. Die US-Fans haben sich auf dieses Duell gefreut wie auf ein Playoff-Finale der NFL. Mbappé gegen Haaland, Paris gegen Manchester, Präzision gegen Power. Die Statistiker rechnen: Bei einem Tor von Mbappé wäre er mit 17 Treffern nur noch einen Treffer von Lionel Messis WM-Rekord entfernt. Haaland könnte mit einem Doppelpack die Tabellenführung im Goldenen Schuh übernehmen.
Aber selbst diese Zahlen klingen hohl. Die Spieler wissen, dass Deschamps in diesen Stunden nicht an Taktik denkt. Die Fans wissen, dass ein Gruppensieg schön ist, aber nicht das Wichtigste. Und die Reporter wissen, dass selbst ein spektakuläres 4:3 am Ende nur eine Fußnote bleiben wird.
Frankreich wird spielen, weil es muss. Norwegen wird spielen, weil es kann. Und alle werden hoffen, dass Deschamps bald zurückkommt – mit einer Trauer, die nie ganz vergeht, aber mit einer Mannschaft, die für ihn weitermacht.
