Totzek und sutor feiern spektakulären auftaktsieg gegen schweiz

Genf – Schweißperlen auf der Eisfläche, Pulsschlag bei 180: Sixten Totzek und Kim Sutor haben die deutsche Curling-Saison mit einer Hollywood-Kehrtwende eröffnet. 0:2, 2:4, 4:6 – und dann der 7:6-Knaller im letzten Stein. Die Schweiz, olympischer Gastgeber von 2026, kassierte eine blutige Nase. Die deutschen Mixed-Doubles-Weltmeister von morgen? Vielleicht. Von heute auf jeden Fall.

Das achte end wurde zum krimi

Die Berner Halle war ein Kessel, als Totzeks letzter Draw die Hauslinie streifte, zwei rote Steine wegschob und die Anzeige auf sieben Zähler umsprang. Kim Sutor, 22, Strahlenbiologie-Studentin und TikTok-Queen des DCV, schrie nur: „Das ist unser Moment!“ Ihr Partner, 26-jähriger Maschinenbau-Ingenieur aus Füssen, ließ den Besen fallen und rannte ihr in die Arme. Die Schweizer gaben sich anschließend lächelnd, aber bleich: Sie hatten 86 Procent Trefferquote – und trotzdem verloren.

Die Statistik lügt nicht: Deutschland lag nach dem fünften End bei 39 Procent, lagerte aber im sechsten Durchgang um auf 78. „Wir haben einfach das System gewechselt“, verrät Bundestrainer Uli Kapp. Statt Guards setzten die Deutschen auf Freeze-Taktik, zwangen die Eidgenossen zu Risko, und plötzlich rollten die Steine wie auf Schienen.

Die gruppe der lebenden olympiateilnehmer

Die gruppe der lebenden olympiateilnehmer

Die Weltmeisterschaft ist kein Kindergeburtstag. Von neun Gegnern standen sieben im Februar in Cortina auf dem Eis – darunter Schweden, Norwegen und das kanadische Dream-Team. „Wir sind hier, um zu lernen“, sagte Totzek vor dem Turnier. Dabei klingt seine Stimme nicht wie von einem Außenseiter, sondern wie von einem Spieler, der weiß, dass er eine Geheimwaffe trägt: die Coolness von Sutor, die selbst beim 0:2 noch Selfies mit Fans machte.

Die Regel ist gnadenlos: Nur die ersten drei jeder Gruppe rutschen in die K.o.-Phase. Wer auf Rang zehn landet, fliegt direkt. Platz acht und neun dürfen noch um den Verbleib zittern. Deutschland startete als Nummer 14 der Weltrangliste – und ist jetzt schon auf zwölf gesprungen.

Medaille? „warum nicht“, sagt sutor

Medaille? „warum nicht“, sagt sutor

Im Mixed Doubles hat man fünf statt acht Steine, acht statt zehn Ends – das verdichtet das Spektakel. „Jeder Fehler kostet sofort ein Spiel“, erklärt Kapp. Genau das macht das Format soSuchtpotenzial für Zuschauer. Die nächsten Gegner: Dänemark (Sonntag, 9 Uhr) und Japan (21 Uhr). Beide Teams sind olympiahungrig, beide kennen die deutsche Aufholjagd bereits aus sozialen Medien. „Die werden uns nicht unterschätzen“, warnt Sutor. Ihr Ziel klingt verwegen, aber ehrlich: „Wir wollen mit Metall um den Hals nach Hause fahren.“

Das Turnier endet am 2. Mai mit dem Finale. Sollte das Duo dann noch dabei sein, hätte es eine Medaille geschafft – und einen Rekord. Noch nie zuvor stand eine deutsche Mixed-Doubles-Mannschaft auf dem Podest. Die letzte deutsche WM-Medaille im Curling datiert von 1992, als Andy Kapp – Ulis Bruder – Silber holte. Vielleicht ist jetzt die Stunde der jungen Wilden. Vielleicht war Genf nur der erste Warnschuss. Auf jeden Fall ist klar: Wer Sixten Totzek und Kim Sutor unterschätzt, verliert – und zwar spektakulär.