Thw kiel am abgrund: kann filip jícha das ruder noch herumreißen?
Die Zeiten sind düster an der Ostsee. Der frühere Serienmeister THW Kiel taumelt in einer Krise, die Viktor Szilagyi, den Geschäftsführer, zutiefst besorgt. Drei ambitionierte Ziele wurden zu Beginn der Saison formuliert – zwei sind bereits außer Reichweite. Nur noch die European League bietet die Chance auf eine Rettung, doch auch hier gilt es, sich zu behaupten. Der Druck auf Trainer Filip Jícha steigt spürbar.
Ein kader im dauer-reparaturbetrieb
Die Ursachen für die Misere sind vielfältig: Verletzungspech, ein zu schmaler Kader und die anhaltenden Diskussionen um die sportliche Ausrichtung belasten den Verein enorm. Langzeitverletzte wie Pekeler, Perez de Vargas, Bilyk, Madsen und Ellefsen á Skipagötu haben riesige Lücken im Team hinterlassen, die kaum zu schließen sind. „Diese Weiterentwicklung war kaum möglich, weil wir ständig mit dem Tagesgeschäft beschäftigt waren“, erklärt Szilagyi. Der Trainerstab musste fortlaufend improvisieren, die Rollen der einzelnen Spieler änderten sich immer wieder.

Die letzte chance: european league final4
Nach einem dramatischen Sieg im Siebenmeterwerfen gegen Nasice im Champions League Viertelfinale, in dem die Nerven blank lagen, ist der THW Kiel in der European League noch im Rennen. Szilagyi sieht darin die Chance, die Saison doch noch positiv zu beenden: „Wir hatten drei Ziele vor der Saison, eines war das European-League-Final4 – das haben wir erreicht. Jetzt können wir uns neue Ziele setzen: am letzten Mai-Wochenende den Titel zu holen. Dafür haben wir die ganze Saison gearbeitet.“

Kader zu dünn?
Die Frage, ob der Kader von vornherein zu dünn besetzt war, wird nun lauter. Szilagyi räumt ein: „Im Nachhinein, unter diesen Gegebenheiten: ja. Aber man kann nicht alle Eventualitäten abdecken. In dieser Häufigkeit war das nicht zu erwarten.“ Die Folge ist ein Kampf um den Klassenerhalt, anstatt um die Champions-League-Qualifikation. Heute empfangen die Norddeutschen um 15 Uhr die Füchse Berlin zum Handball-Kracher – ein Duell, das für beide Teams von immenser Bedeutung ist.

Ruhe bewahren und die analyse nicht verpatzen
Die Diskussionen um Trainer Jícha und die Unruhe im Umfeld sind spürbar. Doch Szilagyi mahnt zur Ruhe: „Es braucht immer eine sachliche Analyse und nicht nur eine emotionale. Ich glaube, unser Handeln zeigt, dass wir an unseren gemeinsamen Weg glauben.“ Der THW Kiel muss sich nun sammeln, die Fehler der Vergangenheit analysieren und sich auf die kommenden Aufgaben konzentrieren. Denn eines ist klar: Die nächste Saison darf nicht mit einem emotionalen Rucksack beginnen.
