Thc verspielt finale mit verworfenem siebenmeter

Stuttgart – 45 Sekunden vor Ende war alles klar, dann wurde es dunkel. Rikke Petersen stand frei, warf, traf nicht – und der Thüringer HC schied im DHB-Pokal-Halbfinale gegen die HSG Bensheim/Auerbach aus. Die Entscheidung fiel erst im Siebenmeterwerfen, das 34:36 endete und den Traum vom vierten Pokaltriumph begrub.

Kuczora trägt, dann versagt

Csenge Kuczora war die Konstante. Sechs Treffer bis zur Pause, unfehlbar vom Punkt, die Stimme in der Deckung. Doch als sie im Shoot-out an die Linie trat, zitterte der Ball – Bensheims Torhüter Nadja Nadgornaja berührte, das Netz zitterte nicht. „Das ist der Sport, er ist grausam und schön zugleich“, sagte THC-Coach Herbert Müller, ohne die Stimme zu heben. Seine Mannschaft hatte 60 Minuten lang gezeigt, warum sie zu den besten Deutschlands zählt, und dennoch reichte es nur zur Silbermedaille im kleinen Finale.

Die Zahlen sind hart: 14 Ballverluste in der zweiten Hälfte, 53 Prozent Siebenmeterquote, null Tore in den letzten drei Angriffen. Bensheim lag zwischenzeitlich mit 22:26 zurück, doch Müllers Auszeit funktionierte nur halb. „Wir haben die richtigen Worte gefunden, aber nicht die richtigen Taten“, sagte Johanna Reichert, die mit geschlossenen Lippen auf dem Parkett saß und die Tränen zurückdrückte.

Petersens fehlerwurf wird zur zäsur

Petersens fehlerwurf wird zur zäsur

Die Szene, die alles veränderte, war keine spektakuläre Parade. Petersen lief frei auf Nadgornaja zu, der Winkel war spitz, der Absprung hoch – doch der Ball flog einen Zentimeter am Pfosten vorbei. Die Uhr zeigte 59:15, das Publikum in der Porsche-Arena hielt den Atem an. Sekunden später verwandelte Amelie Berger den Ausgleich, und die Halle explodierte in schwarz-rot-goldenen Jubel.

Im Siebenmeterwerfen wechselte sich Führung mit Rückschlag. THC-Keeperin Dinah Eckerle parierte zweimal, doch jedes Mal antwortete Bensheim. Als Kuczora scheiterte, war die Luft raus. „Wir haben alles richtig gemacht und sind trotzdem leer ausgestiegen“, sagte Müller und schlug mit der Faust gegen die Bande – nicht wütend, nur leer.

Für den THC bleibt nun die bittere Erkenntnis: Die Saison kann noch so gut laufen, das Finale ist keine Garantie. Die HSG Bensheim/Auerbach spielt am Sonntag gegen den Buxtehuder SV um den Titel. Der Thüringer HC spielt um Bronze – und um die Frage, wie viele Nächte man braucht, um einen verworfenen Siebenmeter zu vergessen.