Ted dibiase jr.: vom wrestlemania-heilsbringer zu 160 jahren haft

Der Mann, der einst die Undertaker-Serie hätte beenden sollen, sitzt heute auf der Anklagebank. Ted DiBiase Jr., 43, erbt nicht den Thron von WrestleMania, sondern eine Anklageschrift mit 160 Jahren Haftpotenzial. Mississippi wirft dem Sohn des „Million Dollar Man“ vor, sich an 3,8 Millionen Dollar aus dem Töpfchen für arme Familien bedient zu haben – und dafür nicht mal einen einzigen Cent zurückgegeben zu haben.

Legacy war gestern, jetzt kommt gefängnis

2008 starrte das WWE-Universum auf dieselbe Zukunftsvision: DiBiase als nächster Champion, als Cody Rhodes’ Partner, als Randy Ortons Ziehsohn. Die Storyline schrieb sich wie von selbst. Doch statt das Cape des Undertakers zu zerreißen, zerschlug er seine eigene Karriere an Depressionen und Angstattacken. 2013 war Schluss, „andere Projekte“ hieß die offizielle Begründung. Keiner ahnte, dass diese Projekte aus Boot, Haus und Auto bestanden – alles bezahlt mit Sozialministeriumsgeldern.

Die Anklage liest sich wie ein Drehbuch, das selbst WWE-Autoren als zu abgedrecht ablehnen würden. Sechs Fälle Überweisungsbetrug, vier Geldwäschefälle, zwei staatliche Diebstähle. Die Strafstaffel reicht von fünf bis zwanzig Jahren pro Delikt. Addiert man alle Maximalfristen, landet man bei 160 Jahren – theoretisch. Praktisch reicht schon ein Bruchteil, um DiBiases Leben auf unbestimmte Zeit zu stoppen.

Der eigentliche ring liegt außerhalb des square circle

Der eigentliche ring liegt außerhalb des square circle

John Davis, früherer Leiter des Sozialministeriums, soll staatliche Armutshilfe in Scheinfirmen umgeleitet haben. Eine dieser Firmen: DiBiases Familiae Orientem LLC. Der Name klingt wie ein lateinischer Segen, die Realität ist ein Blankovollmacht für Privatspaß. Laut Anklage flossen 2,9 Millionen Dollar direkt auf DiBiases Konto. Kein einziger Cent soll an Bedürftige weitergeleitet worden sein. Stattdessen: ein Boot, ein Haus in Madison, ein F-250 Pick-up. Die Armut, für die das Geld gedacht war, blieb auf der Strecke.

Dabei war die Familie längst im Fokus. Vater Ted Sr., der einst mit seiner „Million Dollar Man“-Gimmick jeden Gegner kaufte, soll 1,9 Millionen Dollar erhalten haben – für Predigten in seiner Kirche. Bruder Brett, früherer Mitarbeiter im Ministerium, gestand bereits betrügerische Angaben. Die DiBiases antworten einhellig: Opfer von Rufmord, berüchtigt wegen ihres Namens. „Wenn ich nicht berühmt wäre, würde niemand meine Familie anfassen“, sagte Ted Sr. im Interview. Die Staatsanwälte lachen darüber nicht.

Der letzte spotlightschimmer ist ein gerichtszaun

Der letzte spotlightschimmer ist ein gerichtszaun

Wrestling-Fans erinnern sich an den 5. April 2009: DiBiase und Rhodes besiegen die Brothers of Destruction im Tag-Match. Die Crowd brüllte „Legacy“, die Zukunft schien greifbar. Heute steht dieselbe Crowd vor dem Gerichtsgebäude in Jackson, Mississippi, nur dass niemand brüllt. Die Kameras sind weg, die WWE hat die Hände gewaschen, und der einzige Ring, in dem DiBiase noch kämpft, hat Gitter statt Seile.

Die Verhandlung läuft. Ein Urteil steht noch aus. Doch egal wie das Urteil fällt – die Karriere als WrestleMania-Held ist endgültig vorbei. Was bleibt, ist ein Name, der einst für Gold und Glamour stand, jetzt aber für schwere Metalltüren steht. Und eine Zahl, die alles überstrahlt: 160 Jahre. Mehr, als der Undertaker je auf der Grandest Stage of Them all gesiegt hat.