Tannheimer stemmt sich in top ten – dsv-junioren bangen um anschluss

Der Arber schluckt fast die komplette deutsche Junioren-Elite. Lukas Tannheimer bleibt als Zehnter die letzte Zuflucht, während seine Teamkollegen in Schnee und Nebel abdriften. Drei Fehler, 1:22 Minuten Rückstand – das rettet die Heim-WM vor dem Kollaps.

Schießfehler und laufpech – das dsv-quartett verpasst die spur

Grzegorz Galica jagt als frischgebackener Weltmeister durchs Ziel, Polens Fahnen wehen. Dahinter rattert Tannheimer über die Linie, Atem kondensiert in eisiger Luft. „Ordentliche Leistung“, sagt Arnd Peiffer im ARD-Mikro, doch der Ton klingt wie ein Trostpflaster. Denn hinter dem 18-Jährigen wird es dünn. Korbinian Kübler folgt auf Platz 27, vier Schießfehler, 2:35 Minuten Rückstand. Karl Julian Schütze schafft es trotz nur eines Fehlers nicht unter 2:58. Clemens Böhme landet auf 42, zwei Strafscheiben, 3:28 Minuten – das ist keine Formflaute, das ist ein Achtungsruf.

Die Statistik lügt nicht: Kein Deutscher unter den besten fünfzehn Läufern, im Gesamtklassement liegt das Quartett im Mittelfeld. Schütze, erst kurz vor dem Rennen von einer Erkältung genesen, spricht von „Lowlight“, obwohl seine Trefferquote 90 Prozent beträgt. Die Loipe am Arber verzeiht keine Halbkraft. Und die Konkurrenz? Viele Skandinavier und Osteuropäer sind bereits an der Obergrenze der Altersklasse, nächstes Jahr nicht mehr startberechtigt. Deutschland verspielt gerade den Anschluss an die internationale Spitze.

Jugend verspricht bronze – die u19 zeigt, wie’s geht

Jugend verspricht bronze – die u19 zeigt, wie’s geht

Hannes Lipfert hatte Stunden zuvor die Richtung vorgegeben. Bronze im Jugend-Sprint, erste deutsche Medaille dieser WM. Seine Geschwindigkeit passt, sein Schießen auch. Die Devise: kein Risiko, klare Kante. Tannheimer und Co. schauten zu, konnten aber nicht übersetzen. Das Dilemma: Die U21 spielt vermeintlich in derselben Liga, doch die 18-jährigen Körper sind noch im Wachstum, während manche Konkurrenten bereits zwei WM-Zyklen mitfahren.

Die Mixed-Staffel am Samstag wird zur Nagelprobe. Ohne Top-Ten-Einzelergebnis droht bereits im ersten Umschlag ein Loch. Bundestrainer Florian Steir verweist auf „langfristige Entwicklung“, doch der Druck wächst. Die Heim-WM sollte eigentlich Talente ins Rampenlicht heben, stattdessen rückt die Olympiaflaute in den Fokus. Peiffer fordert Geduld, aber die Uhr tickt. In zwei Jahren sind die Jüngsten in Oslo gefordert, dann zählt kein moralischer Sieg mehr.

Zurück am Schießstand glühen die Scheiben noch nach. Tannheimer packt seine Waffe ein, wirkt gefasst. „Nächstes Mal zielen wir höher“, sagt er knapp. Die Aussage klingt wie ein Schwur – und wie ein letzter Warnschuss für den Rest des Feldes.