Tannheimer packt aus: so enttäuschend war das kuschel-olympia von antholz
20 Jahre alt, Rang 20, keine Feier, keine Magie. Julia Tannheimer blickt zurück und liefert das erste ehrliche Rechenheft nach dem deutschen Antholz-Debakel.
„Wir waren komplett unter uns“
Statt Völkerball im Olympiapark: Quarantäne-Trams und Kantinentische nur für Biathleten. Tannheimer: „Ich hatte mir das zittrige Herzklopfen bei der Eröffnung gewünscht – stattdessen war ich im Zimmer, habe Netflix gestartet.“ Die Staffel-Vierte erzählt, wie das Team nach dem Rennen selbst den Mixed-Bronze-Kater trank – ohne fremde Sportler, ohne Jubel-Fanblock, ohne Zeitungspapier, das sich noch fühlt. „Das ist keine Ausrede für unsere Schießschwäche, aber es erklärt, warum viele von uns nicht kreischen konnten.“
Die Kritik an nur einer Medaille? Sie habe sie gelesen, „gerade nochmal nachgeblättert und dann weggelegt“. Die Nummer hinter dem Kommentar: 1,3 % Trefferquote im Stehendschießen – Teamstatistik, nicht Einzelschuld. „Wir können jammern oder rechnen. Ich rechne.“

Preuß-loch, tiktok-generation, tempo-frage
Franziska Preuß hat Mikrofon statt Gewehr übernommen, und die Lücke ist größer als nur eine Startnummer. Tannheimer zählt auf: Selina Grotian, Marlene Fichtner, Johanna Puff – alle Junioren-Weltmeister, alle noch nie im TV-Duell mit Dorothea Wierer oder Lisa Vittozzi. „Wir kommen frisch vom College-Cup, nicht vom Weltcup. Die Entwicklung ist offen, aber sie kostet Schneestunden, nicht Follower.“
Die Verbandschefs schalten jetzt Krisen-Modus: internes Schießcamp in Ruhpolding, externer Mentalcoach, dazu die Drohkulisse Kontiolahti. Noch zwei Weltcups, dann droht das Aus für die Klotz-Regel, die Deutschland eine fünfte Startplatz sichert. Tannheimer lacht schwarz: „Wenn wir da nicht treffen, fliegen wir zu Hause vor dem Fernseher ein – und das Olympische bleibt ein Netflix-Tab.“
Sie selbst hat schon das nächste Ziel gespeichert: 90 % Schießquote im Training, 27 km/h Schnitt auf der Rolle. „Die Weltspitze liegt 15 Sekunden vor mir. Das ist kein Abgrund, das sind zwei falsche Atemzüge.“
