Tagger kassiert lehrstunde von alexandrova – und steigt auf platz 106

Lilli Tagger verließ Miami mit gesenktem Kopf – aber mit schärfferen Zähnen. Die 18-jährige Osttirolerin musste der Weltranglisten-Elften Jekaterina Alexandrova nach 66 Minuten alles zugestehen: 3:6, 3:6. Kein Satz, kein Break, kein Aufreger. Doch die Niederlage ist ein Leckerbissen, kein Frustessen.

Wildcards verwandelt, ranking geboostet

Wildcards verwandelt, ranking geboostet

Zwei Wochen, zwei US-Hartplatz-Events, zwei Siege – das hatte sich Tagger selbst nicht ausgemalt. Indian Wells und Miami, beide Male mit Wildcard, beide Male die erste Hauptrunde überstanden. Das reicht, um die Top-100-Tür aufzureißen: sie klettert auf Position 106, ihre beste Platzierung seit dem Tourneistart.

„Zwischen 50 und 100 weiß ich, dass ich mithalten kann“, sagt sie nach dem Match. „Weiter vorne ist ein anderes Universum.“ Alexandrova spielt dort schon lange. Die Russin feierte 2023 den Titel in Linz – genau dem Turnier, das am Ostermontag beginnt und wo Tagger erneut ins Hauptfeld darf. Revanche inklusive.

Die Niederlage glüht als Lehrvideo. Alexandrova drückte früh die Tempotaste, variierte Ballhöhe und Tempo, zwang Tagger zu riskanten Halbfeld-Schwenkern. Die Vorhand der Tirolerin funktionierte nur in Phasen, der Aufschlag landete zu oft in der Mitte. Dennoch: fünf Breakchancen ließ sie liegen – kleine Messer, die sie künftig schärfer wetzen wird.

Die nächste Schicht beginnt sofort. Tagger fliegt zurück nach Italien, wo Francesca Schiavone sie auf Sand vorbereitet. Der Frühling in Europa bedeutet Heimspielgefühl. „Da bin ich fast daheim“, sagt sie. Nur der Billie-Jean-King-Cup fällt der Terminkollision mit Linz zum Opfer. „Ärgerlich, aber ich nehme die Punkte mit, nicht die Tränen.“

Miami hinterlässt ein Splittingbild: Außen eine klare Niederlage, innen ein Turbo-Upgrade. Wer von Platz 106 auf 50 zielt, muss zuerst lernen, wie es sich anfühlt, gegen Top-15 zu verlieren. Tagger hat jetzt das Video dazu – und die Revanche schon terminiert.