Svrcina trifft auf sinner: der stille tscheche mit dem offenen konto
Dalibor Svrcina liest Bücher über Buddhismus, hat Eltern, die beide Ärzte sind, und verlor in Melbourne einen Match Point bei 5:2 im vierten Satz. Jetzt steht er in Indian Wells auf der anderen Seite des Netzes von Jannik Sinner. Ein Aufeinandertreffen, das auf dem Papier nach klarer Sache aussieht – und genau deshalb interessant wird.
Der mann, der melbourne nicht vergessen kann
Sinner und Svrcina verbindet mehr, als man zunächst denkt. Beide würden einen bestimmten Moment aus dem Januar am liebsten aus ihrem Gedächtnis streichen. Sinner verpasste gleich acht Breakbälle im fünften Satz gegen Djokovic. Svrcina wiederum hatte beim Stand von 5:2 im vierten Satz einen Match Point auf dem Schläger – und verlor ihn. Gegen Munar. Das ist die Art von Niederlage, die sich festsetzt.
Der Tscheche aus Ostrava, Jahrgang 2002, ist kein Unbekannter im Profitennis. Sechs Challenger-Titel stehen in seiner Vita, darunter einer in Barletta im April des vergangenen Jahres. Seinen allerersten Challenger-Titel holte er als Minderjähriger in Most – im Finale gegen den ItalienerAgamennone. Seitdem hat er eine merkwürdige, aber konsequente Geschichte mit italienischen Spielern aufgebaut.

Berrettini, cobolli und das muster gegen italiener
Im September vergangenen Jahres schlug Svrcina in Hangzhou einen noch nicht vollständig genesenen Matteo Berrettini mit einem doppelten 6:3. Nur sieben unerzwungene Fehler im gesamten Match. Präzisionsarbeit, die man von einem Spieler seiner Weltranglistenposition selten sieht. Danach besiegte er noch Zhang, ehe Bublik im Viertelfinale Schluss machte. Sein bestes Ranking, Platz 88, erreichte er kurz darauf.
Heute steht er bei 109. Und gegen Flavio Cobolli in Acapulco Anfang dieses Jahres zog er den Kürzeren – zwei Mal 6:4, fast zwei Stunden Spielzeit. Das Besondere: Svrcina baute sich sieben Breakchancen heraus. Keine einzige verwandelte er. So verliert man Matches, die man hätte gewinnen können.

Buddhismus, medizinerfamilie und ein anderer blick auf den sport
Was Svrcina von vielen seiner Generation unterscheidet, ist sein Verhältnis zum Tennis selbst. Vor einigen Jahren erklärte er in einem Interview, er habe begonnen, „Tennis ein bisschen anders zu denken. Ich habe eine andere Sicht auf das Leben.
