Sv wehen wiesbaden: heimsiege reichen nicht – ati allah-patzer zeigt reife-lücke

18 Jahre, 16 Minuten, ein Ballverlust, der alles erklärt. Ibrahim Ati Allah war kaum auf dem Rasen, da kostete sein Fehler dem SV Wehen Wiesbaden schon den Anschlusstreffer. Der Sieg blieb dank der besten Heimbilanz der Liga trotzdem – doch die Szene ist ein Sinnbild. Zehn Spieltage vor Schluss fehlt dem Aufstiegsaspiranten eben mehr als „nur ein bisschen Reife“, wie Coach Daniel Scherning nach dem 2:1 gegen Stuttgart II sagte.

Heimmacht, auswärtsfrage: die zwei gesichter des svww

Sieben Heimsiege in Folge – Rekord in der 3. Liga. Doch die Punkte auf fremdem Platz laufen nicht mit. Vier Zähler zum Relegationsplatz, sechs zum direkten Aufstieg: Die Mathematik ist so klar wie die Lücke in der Kondition. „Wenn wir so spielen wie in der zweiten Halbzeit, wird’s eng“, warnte Scherning. Die Englische Woche hat Spuren hinterlassen, die Beine waren schwer, die Köpfe noch in den Wechselkabinen.

Ati Allahs Wechsel ist Programm: Jugend soll Reife erzwingen. Doch Jugend ohne Kontrolle endet in Ballverlusten und roten Gesichtern. Der gebürtige Wiesbadener wurde ausgerechnet von seinem eigenen Publikum ausgepfiffen – kurz, bevor er wieder abpfiff.

München und rostock: endkämpfe im doppelpack

München und rostock: endkämpfe im doppelpack

Nächste Woche wartet 1860 München, eine Woche später Hansa Rostock. Beide Klubs haben einen Punkt mehr – oder weniger. Beide wissen: Wer jetzt stolpert, verliert den Anschluss an die Spitzengruppe. „Geile Spiele, gute Kulisse“, sagt Torjäger Moritz Flotho. Er redet von Atmosphäre, Scherning von Cleverness. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, auf dem Rasen und in der Lunge.

Die Heimserie zu halten, wird Pflicht; die Auswärtsmisere zu stoppen, zur Quadratur des Kreises. Die Statistik spricht gegen den SVWW: Nur vier Auswärtssiege in 24 Partien. Kein Aufsteiger der letzten Jahre kam mit so schwachen Auswärtswerten oben raus. Die Reifeprüfung findet nicht im BRITA-Arena statt, sondern in der Münchner Giesinger Straße und unter dem Rostocker Südkurvenlärm.

Am Ende bleibt ein Satz, der wie ein Stimmungsbarometer wirkt: „Er wird daraus lernen.“ Gemeint ist Ati Allah, gemeint ist aber auch der ganze Kader. Lernen heißt in Wiesbaden: Fehler abstellen, ohne den Siegesmut zu verlieren. Zehn Finals sind noch zu spielen. Wer bis Mai noch reift, kann oben aufschlagen. Wer nicht, bleibt ein heimliches Starkbier – mit bitterem Nachgeschmack.