Surf-mütter kehren zurück: wsl revolutioniert die vereinbarkeit im profisport

Die Welt des Surfens erlebt gerade einen beispiellosen Wandel: Die World Surf League (WSL) setzt neue Maßstäbe für die Vereinbarkeit von Karriere und Familie, ein Thema, das den Profisport lange Zeit vor sich hergeschoben hat. Während die Diskussion um Mutter- und Vaterschutz im Sport immer präsenter wird, führt die WSL die Praxis ein, die schon lange überfällig war.

Eine neue ära der flexibilität für surf-eltern

Eine neue ära der flexibilität für surf-eltern

Es ist kaum zu fassen, dass es erst in den letzten Jahren möglich wurde, eine Familie zu gründen und gleichzeitig im Elitesport Fuß zu fassen. Die Zeiten, in denen eine Schwangerschaft das Ende einer Karriere bedeutete, scheinen glücklicherweise vorbei. Aber die Herausforderungen sind real: fehlende Unterstützung, Schwierigkeiten mit der Stillzeit – die Bedürfnisse von werdenden und jungen Eltern werden oft übersehen. Die WSL versucht nun, hier gegenzusteuern.

Ein besonders bewegendes Beispiel ist Carissa Moore, die fünffache Weltmeisterin. Sie zog sich 2024 zurück, um eine Familie zu gründen und brachte im Februar des vergangenen Jahres ihre Tochter Olena zur Welt. Nun hat die WSL Moore eine spezielle Einladung für die aktuelle Saison ausgesprochen. “Ich bin euphorisch!”, so Moore gegenüber 'The Guardian'. “Es ist ein sehr erwartetes Comeback für mich, und meine Familie hier zu haben, meinen Mann und meine Tochter am Strand zu sehen, ist buchstäblich ein Traum, der wahr wird.”

Die sogenannte 'Wild-Card' für Mütter ermöglicht es Surf-Athleinen, bis zu zwei Jahre nach einer Babypause in den WSL-Circuit zurückzukehren. Priorität bei der Vergabe erhalten erfahrene Sportlerinnen, die bereits Weltmeistertitel oder hohe Platzierungen im Circuit erzielt haben. Johanne Defay hat diese Einladung für 2027 erhalten, während Tatiana Weston-Webb eine ähnliche allgemeine Einladung für ihre Rückkehr erhält.

Doch die WSL geht noch weiter: Auch im Herrenbereich werden die Anforderungen an die Vereinbarkeit immer größer. Jack Robinson, der Australier, reist regelmäßig mit seinem kleinen Sohn Zen und seiner Frau an, während Jordy Smith, der Südafrikaner, zunehmend seine beiden Kinder in seine Reisen mit einbezieht. Die WSL hat daher auch eine Vaterschaftszeit eingeführt, die es männlichen Surfern ermöglicht, zwei Events oder einen Monat aussetzen und dabei trotzdem minimale Qualifikationspunkte erhalten.

Ein weiteres Zeichen des Wandels setzt der UTMB World Series Circuit im Trailrunning. Gemeinsam mit der PTRA (Professional Trail Runners Association) wurde eine Initiative entwickelt, die es nicht nur Schwangeren, sondern auch Eltern durch reproduktionsmedizinische Verfahren, Adoption oder Leihmutterschaft ermöglicht, ihre Teilnahme zu verschieben oder ihr Startgeld zurückzuerhalten. Darüber hinaus wird der UTMB-Ranking für Frauen in den Eliteläufen für fünf Jahre eingefroren, wenn sie schwanger werden – eine Maßnahme, die den Weg für eine Familie ebnet, ohne die sportliche Karriere zu gefährden.

Die Entscheidungen der WSL und des UTMB World Series sind mehr als nur kosmetische Gesten. Sie sind ein Ausdruck des Bewusstseins, dass der Sport nicht im luftleeren Raum existiert und dass die Bedürfnisse der Athletinnen und Athleten über die reine sportliche Leistung hinausgehen. Es bleibt abzuwarten, ob weitere Sportverbände diesem Beispiel folgen werden, aber eines ist klar: Die Zeit der unverrückbaren Karrierevorstellungen ist vorbei.