Stuttgart brennt auf porto-k.o.: „keine angst, wir sind heiß“
Der VfB Stuttgart jagt im Achtelfinale der Europa League den FC Porto – und damit das größte europäische Duell seit dreizehn Jahren. Anpfiff Donnerstag, 18.45 Uhr, Mercedes-Benz-Arena. Die Schwaben spucken Feuer, aber sie wissen: Gegen den Tabellenführer aus Portugal droht auch eine blutige Nase.
Tomás trifft auf alte rivalen
Für Stürmer Tiago Tomás ist die Partie mehr als ein Arbeitseinsatz. Der 23-Jährige stammt aus Lissabon, wechselte als Jugendlicher zu Sporting – dem ewigen Erzrivalen von Porto. „Ich kenne die Druckkessel-Atmosphäre, ich kenne die Fans, die sich gegenseitig hassen“, sagt er leise, aber mit funkelnden Augen. „Jetzt will ich ihnen zeigen, dass ich bereit bin.“ In Stuttgart kämpft er um jeden Minuteneinsatz, gegen Porto will er sich endlich von der Reserve lösen.
Trainer Sebastian Hoeneß schickt seine Mannschaft mit Respekt, aber ohne Scheu ins Feuer. „Porto ist Champions-League-Niveau, klar“, sagt der 43-Jährige. „Aber wir sind nicht zum Zuschauen hier.“ Alexander Wehrle, Vorstandschef, greift nach dem Satz: „Wir haben Bock, nicht nur dabei zu sein.“ Die Worte klingen wie ein Mantra – nach Jahren der Zweitklassigkeit will Stuttgart endlich wieder eine Marke sein, auch europaweit.

Die wahrheit liegt zwischen 7:0 und 1:2
Die Saison ist ein Achterbahn-Krimi. Stuttgart schlägt Leverkusen, würgt Frankfurt ab, feiert spektakuläre Last-Minute-Dreher. Dann folgt das 1:2 in St. Pauli, das 3:3 in Heidenheim, das 2:2 gegen Mainz – und plötzlich steht die Mannschaft da wie ein Teenager, der nach der ersten Fliege direkt wieder auf den Boden der Tatsachen fällt. Hoeneß nennt es „Crunchtime“, die Phase, in der jeder Punkt über Zukunft oder Frühjahrsfrust entscheidet.
Porto reist mit Galaktischen an: Alan Varela, Galeno, Evanilson – Namen, die in der Primeira Liga für Schrecken sorgen. 30 Meistertitel, ein Europapokal der Landesmeister 1987, eine Champions League 2004, ein UEFA-Cup 2003. Die Historie ist laut, aber Stuttgart will sie leiser machen. Die Arena ist ausverkauft, 60 000 Stimmen werden Donnerstagabend brüllen – und vielleicht genau das ist der Vorteil, den der VfB braucht.
Die Rechnung ist einfach: Wer Porto schlägt, darf wieder von Wembley träumen. Wer scheitert, muss bis August auf Europa warten. Ermedin Demirovic lacht, als er gefragt wird, ob er Angst habe. „Angst? Vor wem? Wir sind Vierte der Bundesliga, wir haben nicht umsonst dieses Level erreicht.“ Dann wird er ernst: „Aber wir müssen effizient sein. 90 Minuten lang. Kein Rumgetanze, keine Sekunde verschenken.“
Der Countdown läuft. Stuttgart spuckt keine großen Worte mehr aus, nur noch eins: „Jetzt oder nie.“ Die Arena wird kochen, Porto wird antreten wie eine gut geölte Maschine. Am Ende bleibt die Frage: Schafft der VfB den Sprung vom Außenseiter zum ernstzunehmenden Europapokal-Riesen? Die Antwort fällt Donnerstagabend – und sie wird laut werden.
