Sturm gegen stein: abschiedskampf eines umstrittenen weltmeisters

Stuttgart bebt – zumindest symbolisch. Felix Sturm, der fünfmalige Weltmeister, steigt am Samstag zum vermeintlich letzten Mal in den Ring. Sein Gegner: Der junge und selbstbewusste Granit Stein. Doch hinter dem Kampf verbirgt sich eine bewegte Geschichte voller Triumphe, Skandale und einer unerfüllten Versprechen.

Ein leben zwischen ruhm und strafe

Felix Sturm, bürgerlich Adnan Catic, hat eine Karriere hinter sich, die sportliche Höhepunkte mit dunklen Kapiteln vermischt. Fünf Weltmeistertitel (WBO, WBA und IBF) zieren seine Bilanz. Doch der Name Sturm ist untrennbar mit Dopingvorwürfen und rechtlichen Auseinandersetzungen verbunden. 2016 wurde er nach einem Sieg gegen Fjodor Tschudinow positiv auf Stanozolol getestet, was zu einem langwierigen und letztlich gescheiterten Rechtsstreit führte. 2020 folgte der Schock: Drei Jahre Haft wegen Steuerhinterziehung, Dopingverstoß und vorsätzlicher Körperverletzung.

Doch Sturm klammert sich an ein Versprechen. „Es gibt Dinge, die man nicht kaufen kann – dazu gehören Charakter und das eigene Wort. Ich habe meiner Familie versprochen, dass dies mein letzter Kampf sein wird“, erklärte er entschlossen vor dem Abschiedskampf. Der 47-Jährige will nun „Vollgas“ geben und „alles was ich drinhabe, raushauen“.

Der herausforderer mit respekt und kampfgeist

Der herausforderer mit respekt und kampfgeist

Granit Stein, der 30-jährige Herausforderer, nimmt den Kampf gegen den Altmeister ernst – und nutzt die Gelegenheit für eine Ansage: „Mein Name ist meine Stärke. Ich heiße Stein. Ein Sturm kann einem Stein nichts anhaben.“ Allerdings schlägt er auch einen respektvollen Ton an. „Als ich mit dem Boxen angefangen habe, war Felix Sturm eines meiner Vorbilder. Gegen ihn boxen zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes. Aber irgendwann verschwinden Vorbilder. Jetzt freue ich mich darauf, gegen ihn anzutreten und ihn zu schlagen.“

Die Tatsache, dass Stein der Einzige war, der den Kampf kurzfristig angenommen hat, wird von Sturm besonders gewürdigt. „Er war der Einzige, der den Kampf sofort angenommen hat. Dafür habe ich großen Respekt. Er ist ein starker und vor allem kämpferischer Boxer“, so Sturm.

Die Frage, die am Samstag in Stuttgart beantwortet wird, ist nicht nur, wer den Kampf gewinnt, sondern auch, ob Felix Sturm seinem Versprechen gerecht wird und tatsächlich für immer die Handschuhe an den Nagel hängt. Das Leben hat ihm viel abverlangt, und dieser Kampf könnte der letzte Akt in einer Karriere sein, die ebenso glanzvoll wie turbulent verlaufen ist. Die Zuschauer dürfen gespannt sein, ob der Sturm wirklich an einem Stein zerbricht.