Struth packt aus: so brutal wollte ein spieler vor magath fliehen
00:57 Uhr, ein Hotelflur in Wolfsburg. Spielberater Christian Struth hört einen Satz, der ihm bis heute im Ohr klingt: „Ich zieh mir die Kniescheibe selber raus, bevor ich für den noch einmal laufe.“ Der Spieler wollte weg – um jeden Preis.
Der satz, der struth schockte
Struth, sonst ein Mann der klaren Worte, stockt selbst, als er im „Phrasenmäher“-Interview nach dem härtesten Spielerspruch gefragt wird. Er wischt sich mit der Hand übers Gesicht, als könne er den Moment noch spüren. „Das war keine launische Bemerkung nach einem harten Training“, sagt er. „Der Junge meinte es todernst. Er hatte Panik vor der nächsten Saison unter Magath.“
Der Name des Spielers will Struth nicht nennen. „Das wäre unfair, er hat mittlerweile zwei Kinder und einen Bäckerladen in der Eifel.“ Aber die Geschichte ist symptomatisch für die Ära Felix Magath in Wolfsburg – und für die Brutalität mancher Fluchtgedanken in der Bundesliga.
Magath, 2007 mit dem VfB Meister, galt als Ernährer und Schrecken zugleich. Seine Methoden: Extraläufe bis zur Erbrechensgrenze, Einzeltrainings um Mitternacht, Ernährungspläne, die aus Trockenfleisch und Wasser bestanden. Manche Spieler liebten ihn dafür. Andere träumten von Selbstverstümmelung, nur um zu entkommen.

Warum dieser spruch heute wieder aktuell ist
Die Szene ist zehn Jahre alt, doch sie wirft einen Schatten auf die aktuelle Diskussion um Coaching-Methoden im Profifußball. Nach den Belästigungsvorwürfen gegen Trainer der Nachwuchsakademie in Bayern fragen sich viele: Wo endet harte Führung, wo beginnt seelische Zermürbung?
Struth lacht bitter. „Wir reden über Millionengehälter und vergessen, dass dahinter 19-Jährige stehen, die sich vor ihrem Chef fürchten.“ Er habe den Spieler damals zu einem Zweitligavermittelt – mit Erfolg. „Er hat drei Jahre gespielt, nie wieder über Magath geredet.“
Die Bundesliga hat sich gewandelt. Sportpsychologen sind Standard, das Trainerteam der DFB-Elf wirbt mit „Emotionaler Kompetenz“. Doch die Geschichte von 00:57 Uhr im Hotelflur erinnert daran: Zwischen Sieg und Kollaps liegt manchmal nur ein Satz – und eine Kniescheibe, die niemand je wirklich hatte herausreißen wollen.
