Straubing schon wieder: eisbären starten in ihr persönliches play-off-déjà-vu

Im Eisstadion am Pulverturm herrscht Kriegsstimmung – und das ist kein Zufall. Zum dritten Mal in Serie kreuzen die Straubing Tigers im Viertelfinale die Klinge mit dem deutschen Meister. Serge Aubin zieht die Schultern hoch: „Jedes Mal glauben wir, sie zu kennen, und jedes Mal erfinden sie sich neu“. Die Bilanz der vergangenen Hauptrunde? Vier Duelle, drei Siege Straubing. Die Moral? Fünf Siege am Stück für Berlin. Ein Klassiker im Making, Dienstag 19.30 Uhr, live auf MagentaSport.

Die tigers haben die letzten drei play-off-serien gegen berlin gewonnen

Die Zahl nagt an den Eisbären. 2022 und 2023 schickten die Niederbayern den Hauptstadtclub früh auf Sommerpause, beide Male im Viertelfinale. Eric Mik spuckt beim Gedanken daran seine Mundschutz-Protector-Gummi in die Hand: „Wir schulden den Jungs was – und wir schulden uns selbst was.“ Der Verteidiger trägt noch die Narben jener Serie im Februar, als Straubing in fünf Spielen die Punkte eroberte und Berlin in Schockstarre versetzte.

Aubin reibt sich die Augen, als er an die Analysevideos denkt. „Unsere Scouts haben 73 Stunden Material gesichtet. Das Ergebnis: Straubing verändert nichts – und alles.“ Gemeint ist das System der Tigers: gleiche Formationen, neue Impulse. In der Defensive agieren sie mit einem 1-1-3-Lock, das Berlin in der Regular Season schon vor Probleme stellte. Die Lösung? „Wir müschen ihnen die Scheibe weg, bevor sie sie überhaupt fühlen“, sagt Assistant Coach Stéphane Richer, der den Forecheck neu programmiert hat.

Die rückkehr der verletzten leitwölfe bringt frischen wind

Die rückkehr der verletzten leitwölfe bringt frischen wind

Kai Wissmann und Zach Boychuk fehlten monatelang, nun sind sie zurück – und hungrig. Wissmann absolvierte gestern ein Extra-Kräftetraining auf dem Laufband, Boychuk schraubte Schusszähler an die Bande, bis die Alarmanlage ansprang. „Wenn die beiden durchdrehen, kriegen wir 30 % mehr Powerplay-Effizienz“, murmelt Aubin. Die Statistik gibt ihm recht: mit Boychuk auf dem Eis klingelt es alle 4,7 Minuten im gegnerischen Kasten.

Doch die Tigers kontern mit ihrer eigenen Waffe: Ty Ronning. Der Kanadier erzielte in den letzten zehn Spielen neun Tore, fünf davon gegen Köln und Mannheim – genau jene Teams, die Berlin zuletzt dominierte. „Ronning ist ein Terminator in Sneakern“, sagt Straubings Trainer Tom Rowe, der seine Anfangself bis zuletzt geheim hält. Die einzige Gewissheit: Phil Pietroniro wird die Defense dirigieren, nachdem er gestern Nachmittag noch eine Eisbad-Kur am Isarkanal absolvierte.

Die arena wird kochen – und die serie könnte länger werden als gedacht

Die arena wird kochen – und die serie könnte länger werden als gedacht

Die Ticket-Preise auf dem Schwarzmarkt haben sich verdoppelt, 17.231 Zuschauer werden erwartet – lautstark, durchgehend. Berlin hat in den vergangenen drei Jahren jedes Heimspiel in der ersten Play-off-Runde verkauft, aber nur zwei Mal die Serie gewonnen. Die Leere nach dem Abpfiff jener Abende steckt noch in den Köpfen. „Wir wollen dieses Mal nicht nur laut sein, wir wollen die Tigers mundtot machen“, schreit ein Fan, während er sich eine blau-weiße Perücke überstreift.

Aubin wischt sich Schweiß von der Stirn, die Kamera zoomt auf seine Augen. „Wenn wir unseren Forecheck durchziehen, wenn wir diszipliniert bleiben, dann geht das in sieben Spielen – und dann sind wir im Halbfinale.“ Die Wette: Berlin gewinnt Serie 4-3. Die Wahrheit: Straubing ist seit 17 Jahren nicht mehr deutscher Meister, Berlin seit 2022. Einer der Flüche wird brechen. Der erste Schritt fällt Dienstagabend, 19.30 Uhr.