Stransky packt die koffer: davos verliert captain und torschützenkönig
Der HC Davos muss sich von seinem Abwehrchef und emotionalen Anführer trennen. Matej Stransky verlässt den Schweizer Traditionsklub nach fünf Jahren – und nimmt 134 Tore mit ins tschechische Exil.
Ein abschied, der sich seit wochen anbahnte
Die Gerüchteküche brodelte, nun ist es fix: Nach der Saison endet die Ära Stransky in Davos. Der 32-Jährige und der Verein einigten sich auf eine einvernehmliche Auflösung des Vertrags. Der Grund ist denkbar privat: Stransky will nach Tschechien zurück, seine Familie wartet dort. Ein Detail, das in der Hochglanzwelt des Profisports selten laut wird, aber eben doch zählt.
Seit 2021 trägt der Flügelstürmer das Davoser Trikot. Was als Transfer von Ocelári Trinec begann, wurde zur Erfolgsstory: zwei Spengler-Cup-Siege, 159 Scorerpunkte in der Regular Season, die Binde als Captain seit Sommer 2025. In der laufenden Spielzeit liegt er mit 53 Punkten (28 Tore, 25 Assists) auf Rang zwei der Liga – nur hinter seinem Linemate Linus Omark.

Was davos jetzt verliert
Trainer Hans Wallson verliert nicht irgendeinen Stürmer, sondern die Konstanz in der ersten Powerplay-Unit. Stranskys One-Timer von der rechten Seite war die effizienteste Waffe der Bündner. 42 Prozent seiner Tore fielen in Überzahl – ein Wert, den in Davos zuletzt nur Glen Metropolit toppen konnte. Ohne ihn muss Wallson die Formation komplett umbauen.
Doch auch die Kabine verliert eine Stimme. „Er war der erste, der nach einem Fehlstart die Jungs zusammengetrommelt hat“, sagt ein Teaminsider. „Pünktlich, laut, fair – ein Kapitän im klassischen Sinn.“ Stransky selbst kommentierte die Trennung knapp: „Davos wird immer ein Teil von mir bleiben. Aber Familie geht vor.“

Die suche nach dem ersatz beginnt
Sportchef Gaudenz Domenig hat bereits die Scouting-Liste auf dem Tisch. Die NL-Playoffs laufen, doch intern läuft parallel die Personalplanung für 2026/27. Ein Ersatz auf Stransky-Niveau kostet rund 1,2 Millionen Franken Jahresgehalt – Geld, das Davos locker machen kann, nachdem die Saisonkarten für nächstes Jahr bereits zu 94 Prozent verkauft sind. Die Frage ist: Wer bietet die Mischung aus Torgefahr und Charakter?
Ein Name kursiert bereits intensiv: der Kanadier Jordan Weal, derzeit bei Lugano unter Vertrag, aber mit Ausstiegsklausel. Ob es wird, entscheidet sich nach dem Playoff-Aus der Tessiner. Domenig will sich nicht in die Karten schauen lassen: „Wir haben Zeit, wir haben Optionen, und wir haben eine klare Philosophie: Qualität vor Schnelligkeit.“
Bis dahin heißt es für Davos: Ohne Captain in die Meisterschaft. Die Fans werden Stransky am 1. September in der Vaillant Arena feiern – ein Abschiedsspiel steht bereits fest. Dann geht’s für ihn zurück nach Prag, für Davos in eine neue Ära. Die Tore, die er hinterlässt, sind größer als die 134 im Scoreboard.
