Steinhauser krönt comeback mit paris-nizza-podest – vingegaard dominiert
Georg Steinhauser fuhr sich auf dem Promenade des Anglais die Lärchen aus den Augen, als er begriff: Die Krise von 2023 ist Geschichte. Platz drei beim Rennen zur Sonne, das Weiße Trikot, 6:07 Minuten Rückstand auf den Übermenschen Jonas Vingegaard – das ist kein Trostpflaster, sondern die größte Rundfahrt-Medaille seiner bisherigen Karriere.
Von der zeckenbiss-diagnose zum podium in nizza
Die Story liest sich wie ein Medizinthriller. Borreliose, nicht erkannt, Monate der Leistungslosigkeit, mentale Schattenseiten. Der 24-Jährige musste sich selbst wiederfinden, nicht nur als Radprofi, sondern als Mensch. „Letztes Jahr war ein Runter“, sagte er am Sonntag, sprach den Satz aus, den viele nur denken. Die extra Watt, die er auf den letzten 129,2 Kilometern um Nizza herum mobilisierte, kamen nicht aus dem Getränkegurt, sondern aus diesem Abgrund.
Lenny Martinez riss auf der letzten Etappe den Tagessieg an sich, Vingegaard fuhr mit gleicher Zeit mit – und trotzdem war das Podest für Steinhauser der emotionalste Schnappschuss. Er beerbt mit dem Weißen Trikot Florian Lipowitz, setzt die deutsche Junioren-Serie fort, die seit Emanuel Buchmanns viertem Platz 2019 endlich wieder Fahrt aufnimmt.

Vingegaard schaltet in eine andere dimension
Während Steinhauser die eigene Geschichte schrieb, erledigte der Däne die Hausaufgaben für Juli. 4:23 Minuten Vorsprung auf Daniel Martinez, Bergtrikot, Punktetrikot, zwei Etappensiege – das war keine Vorhersage, das war eine Ansage. Visma-Lease a Bike testet in diesem Jahr das Unmögliche: Giro, Tour, Vuelta in Serie. Kein aktiver Fahrer hat je alle drei Grand Tours gewonnen. Die Probefahrt in der Provence war Bestandteil dieses Experiments, und sie verlief erwartungsglatt.
Die Frage ist nicht mehr, ob Vingegaard Pogacar angreifen kann, sondern wo. Nach zwei Tour-Niederlagen in Folge hat er offenbar beschlossen, die Fronten zu wechseln und dem Slowenen dessen Revier zu übernehmen: die italienischen Alpen im Mai. Steinhauser wird dort ebenfalls starten – und weiß nun, dass er wieder ganz oben mitmischen kann.
Die deutschen Farben waren in Nizza nur sporadisch vertreten, aber wer Steinhausers Blick aufs Zielband sah, bekam ein Déjà-vu: 2021, Giro-Etappe nach Cortina, erste Profikarriere-Sensation. Drei Jahre später ist er kein One-Hit-Wonder mehr, sondern Teil des neuen deutschen Radsport-Exports. Die Krankengeschichte schloss er mit einem Satz ab: „Das hier werde ich genießen.“ Keine Rhetorik, einfach nur ein Fahrer, der wieder oben auflädt.
