Stefan lex kehrt zurück: 1860 münchen holt den seelenverkäufer

Seine Stimme war dreißig Jahre lang im Sechzger-Kanal zu hören, jetzt wiederholt sie sich im Büro neben dem Trainingsplatz: Stefan Lex ist zurück beim TSV 1860 München – nicht als Spieler, sondern als Koordinator Perspektivspieler. Der 36-Jährige übernimmt ab 15. März 2026 die Schnittstelle zwischen Nachwuchs und Profi, ein Posten, der in Giesing sonst nur mit Namen wie Markus von Ahlen oder Daniel Bierofka besetzt war.

Warum genau jetzt?

Die Löwen haben fünf Siege in Folge, die Aufstiegsluft ist dick, aber im Hinterstand klafft ein Loch: Junge Spieler wie Leander Popp oder Ayhan Geçgin schaffen den Sprung ins Profiteam, verharren aber auf der Ersatzbank. Lex soll die Bremse lösen, indem er individuelle Ausbildungspläne schreibt, mit den Herren-Trainern tagt und – das ist der Clou – die Jungs auf dem Rasen begleitet. „Er spricht die Sprache beider Welten“, sagt Geschäftsführer Manfred Paula, der Lex schon 2018 aus Ingolstadt holte.

Die Zahlen sprechen für sich: 163 Drittliga-Einsätze, fünf DFB-Pokalspiele, 31 Tore – und kein einziges Mal laut Zeugnis versäumt, die U-19 zum Warmmachen zu bitten. „Lexi war schon als Aktiver ein Co-Trainer in Kurzshorts“, erinnert sich Michael Köllner, der ihn 2020 zum Kapitän machte.

Ein jahr auszeit, ein jahr heimlicher kontakt

Ein jahr auszeit, ein jahr heimlicher kontakt

Im April 2025 zog sich Lex zurück, offiziell „zur familiären Neuorientierung“. Was keiner wusste: Paula, Präsidiumsmitglieder und selbst Hasan Kuruçay riefen fast wöchentlich an. „Die haben mich auf WhatsApp mit Videoausschnitten bombardiert – wie der Nachwuchs neue Laufschläge trainiert“, lacht Lex. Die Verlockung war groß, aber der Vertrag nur auf zwei Jahre befristet. „Ich will kein Dauergast, ich will eine klare Mission“, sagt er und tippt auf ein Flipchart, auf dem „Übergangslücke“ in roten Lettern steht.

Diese Lücke ist real. In der aktuellen Bundesligasaison stiegen acht NLZ-Absolventen in den Profikader auf, nur drei bekamen Spielminuten. „Wenn wir nicht bald echte Eigengewächse liefern, wird der Lizenzstatus zum Zankapfel“, warnt ein Vereinsinterner. Lex’ Job ist es, Talente wie Lukas Hinterseer (noch U-19) körperlich auf die 3. Liga vorzubereiten, ohne sie zu verbrennen.

Die erste amtshandlung steht schon fest

Die erste amtshandlung steht schon fest

Am 20. März 2026 fliegt Lex mit vier U-19-Spielern zum Testspiel nach Kitzbühel – kein Luxus, sondern Belastungskontrolle in 800 Metern Höhe. „Wer da nicht pumpt, verliert den Anschluss“, sagt Lex und grinst. Die Spieler nennen ihn schon jetzt „Mr. Zwischenstand“, weil er nach jedem Sprint Zwischensprints verlangt.

1866 gegründet, 2026 neu erfunden? Die Symbolik ist nicht zufällig. „Lex steht für die DNA: leidenschaftlich, laut, ein bisschen verrückt“, sagt Paula. Und vielleicht ist genau das der Schlüssel, um aus der dritten Liga endlich wieder in die zweite aufzusteigen – diesmal nicht mit Millionen-Transfers, sondern mit dem Typen, der einst selbst in der Kurve stand.

Lex selbst hält die Kirche im Dorf: „Ich bin kein Messias, ich bin nur der, der die Taschenlampe hält, wenn die Jungs den Tunnel durchschreiten.“ Taschenlampe oder nicht – in Giesing brennt wieder Licht.