St. pauli verschenkt den klassenerhalt: freiburg dreht die partie und lässt den kiez in der roten zone

Es war der Tag, an dem der FC St. Pauli die eigene Rettung verpasste. Nach Führung und 65 Minuten voller Leidenschaft kassierten die Braun-Weißen zwei Gegentore gegen den SC Freiburg – und bleiben damit auf Talfahrtkurs.

Igor matanovic trifft doppelt gegen seinen ex-klub

Der 21-Jährige, einst selbst auf der Gehaltsliste der Hamburger, schlug zweimal binnen 13 Minuten zu. Sein zweiter Treffer war ein trockener Schlenzer aus 16 Metern, der St.-Pauli-Keeper Vasilj noch die Finger kitzelte, aber nicht mehr stoppen konnte. Die Kiez-Fans, die ihre Mannschaft vor dem Stadion mit Pyro und Gesängen empfangen hatten, verstummten schlagartig.

Die Niederlage schmerzt doppelt. Nicht nur, weil der VfB Stuttgart am Samstag ebenfalls verloren hat und damit die Chance bestand, den Rückstand auf das rettende Ufer zu verkürzen. Sondern auch, weil Trainer Alexander Blessin seine Elf nach der 1:0-Pausenführung durch Danel Sinani offensiv umstellte – und damit genau in Freiburgs Karten spielte.

Die blessin-truppe verliert die kontrolle

Die blessin-truppe verliert die kontrolle

Was in der ersten Hälfte noch nach kontrollierter Leidenschaft aussah, wurde nach dem Seitenwechsel zum offenen Schlagabtausch. Freiburg, drei Tage nach dem 5:1 gegen Genk in der Europa League, schaltete einen Gang höher. Yuito Suzuki und Röhl übernahmen das Mittelfeld, während St. Paulis Joel Fujita plötzlich mit zwei Gegenspielern allein war.

Die Statistik ist gnadenlos: Seit acht Spielen wartet der FC St. Pauli auf einen Dreier. In fünf der letzten sechs Partien kassierte man mindestens zwei Gegentore. Die Tordifferenz ist mit 22:45 das schlechteste Liga-Siegel – ein Wert, der nicht einmal zur Relegation reicht.

Der abstiegsrechner wird zum horrorszenario

Der abstiegsrechner wird zum horrorszenario

Mit nur 19 Zählern aus 26 Spielen steht St. Pauli auf Rang 17, vier Punkte hinter dem Relegationsplatz. Die nächsten Gegner: Leipzig (Auswärts), Dortmund (Heim) und Frankfurt (Auswärts). Es ist das Programm, vor dem andere Teams bereits die Koffer gepackt haben.

In der Kabine herrschte nach Abpfiff betretenes Schweigen. Kapitän Jackson Irvine schob sich die Kapuze über den Kopf, Blessin starrte auf den Rasen, als würde er dort die Lösung suchen. Die Frage ist nicht mehr, ob St. Pauli die Klasse hält – sondern wie schnell der Klub den Klassenverlust verkraftet.

Freiburg dagegen rückt auf Platz sieben vor und darf wieder von Europa träumen. Für Grifo war es das 300. Bundesliga-Spiel, für Matanovic der erste Doppelpack im Profi-Dasein. Während die Breisgauer jubeln, beginnt auf dem Kiez die längste Woche der Saison.