Springer zittert, trifft, jubelt: 6:5-krimi in göttingen

Es ging hin und her, bis der letzte Pfeil im Bullseye steckte. Niko Springer schlug Kai Gotthardt mit 6:5, riss die Arme hoch und ließ sich von 1.200 Zuschauern im Ballungsraum feiern – die zweite Runde der European Darts Trophy ist seiner.

Die Zuschauer in der Lokhalle saßen auf glühenden Stühlen. Springer, 25, der „Meenzer Bub“, startete verhalten, versenkte aber die entscheidenden Doppelfelder, als Gotthardt bereits die Nase vorn hatte. Drei Breaks wechselten in den ersten fünf Legs die Führung, dann zog der Mann aus Berlin auf 4:2 davon. Die Quote? 41,7 Prozent am Doppelring – nicht genug, um den Sack zuzumachen.

Der 142er war der knackpunkt

Der 142er war der knackpunkt

Bei 3:4 lag Springer auf der Kippe. Er schritt zur Oche, holte aus und warf 142. Die Halle explodiert, Kommentator Robert Marijanovic brüllt: „Was für ein Moment! Der haut hier das Ding raus, stark!“ Die Energie schwappt über zum Tisch: 4:4, 5:5, Decider. Dort trifft Springer Doppel 16 zum 6:5 – und bricht auf dem Podium emotional zusammen.

Die Statistik lügt nicht: Springer kam auf 87,2 Punkte im Schnitt, Gotthardt auf 89,7. Der Untersied liegt in der Effizienz am Doppelfeld: 66,7 Prozent gegen 41,7 – ein Riesenloch, das Gotthardts Comeback-History ein weiteres Kapitel hinzufügt. „Er hatte 2025 kaum Preisgeld kassiert, das war seine Chance“, sagt Marijanovic. Doch die Nerven folgten nicht dem Arm.

Mit dem Sieg schaufelt Springer sich wichtige Ranglistenpunkte und vor allem Selbstvertrauen für den Rest der European Tour. Gotthardt applaudiert fair, hebt sogar die Hand, damit die Tribüne seinem Bezwinger Beifall spendet – Szenen, die in der sonst so lauten Darts-Welt selten sind.

Weiterkommen konnten auch Paul Krohne und Lukas Wenig. Florian Preis und Dragutin Horvart dagegen schieden bereits in Runde eins aus. Für Springer geht es morgen gegen einen Top-16 der Order of Merit – und nach diesem 6:5-Krimi glaubt er offensichtlich wieder an jeden einzelnen Pfeil.