Spanien startet mit cabo verde: oyarzabal packt aus über angst, trikot und die mentalität

Am Montag rollt Spanien in die WM-Trilogie der USA, Mexiko und Kanada – und Mikel Oyarzabal weiß, was das bedeutet. „Wenn man draußen aufwärmt, flackert die Angst, doch sobald das Tor aufgeht, verschwindet sie“, sagt der Baskenstar. Er spricht nicht nur über sich. Er beschreibt eine Mannschaft, die 2024 in Berlin als Kollektiv Geschichte schrieb und nun in der Gruppe B gegen Cabo Verde, Saudi-Arabien und Uruguay den nächsten Schritt wagen will.

Der weg zurück nach 2022

Oyarzabal war damals nur Zuschauer. Ein Kreuzbandriss stoppte ihn vor Katar. „Ich habe vor dem Fernseher gesessen und gespürt, wie sehr mir das Spiel fehlt“, erinnert er sich. Sein Comeback ist deshalb keine simple Rückkehr, sondern eine Kampfansage an das Schicksal. Die Copa del Rey mit Real Sociedad war der erste Trost, der WM-Kader der zweite. „Ich bin froh, dass ich jeden Tag mit den Jungs frühstücken darf. Das klingt banal, aber nach der Verletzung ist es pure Medizin.“

Bei der EURO 2024 saß er meist hinter Álvaro Morata, doch in der 86. Minute des Finales trat er an der Strafraumgrenze auf und jagte den Ball ins linke Eck. 2:1 gegen England, Titel. Der Moment wurde zur Visitenkarte für diesen Sommer. Laut internen Aufstellungsplänen von Luis de la Fuente steht Oyarzabal nun ganz vorne.

Gruppe b: pflicht und kür zugleich

Gruppe b: pflicht und kür zugleich

Cabo Verde gilt als Außenseiter, doch Spanien lehnt sich nicht zurück. „Ein Ausrutscher und die Rechnung stimmt nicht mehr“, warnt Oyarzabal. Die Zahlen sprechen zwar für La Roja – drei Siege in drei Testspielen gegen afrikanische Gegner seit 2023 –, doch die Erinnerung an das 1:2 gegen Japan in Katar sitzt tief. Saudi-Arabien bringt Geschwindigkeit, Uruguay Kompaktheit. Die Marschroute: Platz eins, und zwar ohne Show.

Die Stärke des Kaders liegt nicht im Sternekult, sondern in der Bank. „Wer reinkommt, gibt alles für den, der rausgeht“, erklärt Oyarzabal. Diese Philosophie zog sich wie ein roter Faden durch die EURO und ist nun das Geheimrezept für die WM. De la Fuente wiederholt in jedem Meeting denselben Satz: „Vertraut dem Nebenmann, dann vertraut ihr euch selbst.“

Ein tag mit der familie und 45 tage mit der familie

Ein tag mit der familie und 45 tage mit der familie

Privat wird Oyarzabal von Familie und Freunden begleitet, doch das eigentliche Zuhause bildet die Kabine. „Die 45 Tage in der EURO waren wie ein langes Sommercamp mit Siegprämie“, schmunzelt er. Karten-Duelle, PlayStation-Duelle, gemeinsames Essen – alles wird geteilt, sogar die Nervosität. „Wenn du morgens um halb acht das Frühstücksbuffet siehst und Pedri das letzte Croissant klaut, weißt du: Alles ist normal.“

Am Montagabend in Santa Clara wird Normales Geschichte schreiben. Spanien gegen Cabo Verde, 21:00 Uhr Ortszeit. Für Oyarzabal ist es mehr als ein Spiel. Es ist die Belohnung für 24 Monate Reha, Tränen und unzählige Einheiten im Fitnessraum. „Wenn die Hymne erklingt, werde ich kurz die Augen schließen. Dann geht’s los.“

Spanien will nicht nur gewinnen. Spanien will zeigen, dass Teamgeist anstatt Galaktischen noch immer Titel bringt. Oyarzabal legt sich die Hand aufs Herz und grinst: „Wenn wir das erste Spiel packen, zieht der Zug an. Und ich sitze ganz vorne beim Fahrer.“