Spanien reist mit fragezeichen zur wm: eine riskante reise wie 2010?
Madrid – Die spanische Nationalmannschaft bricht mit einem Koffer voller Fragezeichen und angeschlagenen Stars zu ihrer Reise zur Weltmeisterschaft auf. Lamine Yamal, Nico Williams und Mikel Merino reisen allesamt nicht in bester Verfassung, was Trainer Luis de la Fuente zu einer mutigen, wenn nicht gar riskanten Entscheidung zwingt. Eine Entscheidung, die an den Sommer 2010 erinnert, als auch damals Schlüsselspieler mit Verletzungen anreisten und dennoch Geschichte schrieben.
Die schatten der vergangenheit: torres, cesc und iniesta
Die Erinnerungen an die WM 2010 in Südafrika sind noch lebendig. Damals reisten Fernando Torres, Cesc Fàbregas und Andrés Iniesta allesamt angeschlagen ins Turnier. Torres hatte kurz zuvor noch den Operationstisch gesehen, Cesc kämpfte mit chronischen Problemen, und auch Iniesta war ein Hauch von Verletzungspech widerfahren. Doch am Ende waren es diese drei Spieler, die den Ball das letzte Mal berührten, bevor der historische Treffer von Iniesta in die spanische Fußballgeschichte einging. Eine Geschichte, die nun möglicherweise ihren Schatten vorauswirft.
Die aktuelle Situation ist ähnlich komplex. Yamal, Williams und Merino sind zwar keine Spieler mit der gleichen Aura wie das Trio von 2010, doch ihre Fitness ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg Spaniens. De la Fuente scheint bereit zu sein, das Risiko einzugehen, in der Hoffnung, dass sich die Spieler im Turnier finden und ihre Klasse abrufen können. Eine Wette, die sich als genial oder als verhängnisvoll erweisen könnte.

Ein blick zurück: di stéfano als tourist, xavi und raúl mit kreuzbandriss
Die Geschichte der spanischen Nationalmannschaft ist gespickt mit WM-Teilnahmen, die von Verletzungen und angeschlagenen Spielern geprägt waren. Alfredo Di Stéfano, der legendäre Stürmer, reiste 1958 nach Chile, konnte aber aufgrund einer Verletzung kein einziges Spiel bestreiten. Er selbst sagte damals spöttisch: „Ich bin eher Tourist.“ Auch in der Vergangenheit mussten Trainer schwere Entscheidungen treffen, wie 2006, als Xavi und Raúl aufgrund schwerer Knieverletzungen um ihre Teilnahme kämpfen mussten. Xavis Kreuzbandriss schien das Aus zu bedeuten, doch er kehrte überraschend zurück und war sogar Stammspieler.

Die jüngsten beispiele: carvajal und fati
Die jüngsten Beispiele von Dani Carvajal bei der WM 2018 in Russland und Ansu Fati bei der WM 2022 in Katar zeigen, wie fragil der Weg eines Fußballers sein kann. Carvajal erlitt eine schmerzhafte Verletzung im Finale der Champions League und reiste dennoch mit ins Turnier, während Fati aufgrund anhaltender Nachwirkungen einer schweren Knieverletzung nur eine untergeordnete Rolle spielte. Diese Erfahrungen sollten Luis de la Fuente zu denken geben.
Die Entscheidung, mit angeschlagenen Spielern zu reisen, ist immer ein Balanceakt. Es erfordert Mut, Vertrauen in die medizinische Abteilung und die Fähigkeit, das Team auch in schwierigen Situationen zusammenzuhalten. Ob Luis de la Fuente den richtigen Weg wählt, wird die Weltmeisterschaft zeigen. Die Geschichte lehrt uns jedoch: Manchmal sind es gerade die Spieler mit den größten Verletzungen, die zu den größten Helden werden.
