Spalletti steckt in der juve-krise – sein bester freund packt aus
Mailand – Ein Samstag, der alles verspielte. Die Juventus rutschte binnen 90 Minuten von Platz drei auf Rang sechs, die Champions-League-Türe knallte zu. Nun bricht Fabio Galante das Schweigen. Der ehemalige Verteidiger kennt Luciano Spalletti seit 36 Jahren, sie teilten sich Lasagne, Trainingspläne und einen Schlafsack unter toskanischen Sternen. Was er erzählt, klingt wie ein Roman – und erklärt, warum der Trainer trotz Desaster nicht wegzudenken ist.
„Ich hab ihm nicht mal geschrieben – ich kenne seine phase“
Galante lässt das Telefon auf dem Tisch liegen, wenn Spalletti verliert. „Er frisst sich durch jede Analyse, bis der Akku leer ist. Ich warte lieber ab, sonst explodiert mein Handy.“ Die beiden schreiben sich sonst nach jedem Spiel. Dann kommt von Spalletti nur ein Herzchen-Emoji zurück. Unter Kollegen gilt das als Seelentherapie.
Der 60-Jährige hat die Zahlen parat: seit Januar holte Spalletti 2,17 Punkte pro Partie – mehr als Allegri in der kompletten Saison davor. „Trotzdem reden alle nur über den letzten Stumble. Dabei hat er die Mannschaft neu verkabelt: Breit verteiltes Pressing, halbräumige Überladung, ein Zehner, der plötzlich pendelt wie ein Box-to-Box-Sechser. Das kostet Zeit, die ihm niemand gab.“

Toskanische nächte und videoanalyse auf zwei bildschirmen
1990, Empoli: Galante ist 19, Spalletti 31 und schon Spieler-Coach der Primavera. „Er holte mich vom Training ab, stopfte mich mit Ilvas Lasagne voller und fragte, ob ich heimkommen will oder ‚draußen penn‘. Wir rollten die Isomatten raus, legten uns auf den Rasen und zählten Sterne. Dazwischen diskutierte er, wie man eine 4-3-1-2-Formation gegen ein 5-3-2 umbaut.“
Drei Jahrzehnte später hat Spalletti zwei Fernseher gleichzeitig laufen, wenn Galante zu Besuch kommt. „Links Ecke rechts, rechts Standard links. Er will wissen, wo der Lücke entsteht, wenn der Ball zweimal über den Fünfer springt. Ich sag ihm: ‚Lucio, lass uns Pizza essen.‘ Er: ‚Erst die 73. Minute, sieh dir die Raumaufteilung an.‘“
Diese Besessenheit macht ihn verletzlich. Nach der 0:3-Klatsche gegen die Fiorentina verschwand Spalletti für 48 Stunden. Kein Kontakt zur Presse, keine WhatsApp-Antworten. Galante: „Er baut sich selbst den Galgen. Dabei war die Saison kein Fehlstart, sondern ein Fehljahr, das er halbieren durfte.“

Warum elkann ihn jetzt brauht – und nicht ersetzen darf
Am Mittwoch sitzt Spalletti beim Gesellschafter. John Elkann will hören, ob der Coach bereit ist, „von Null“ zu beginnen. Galante lacht trocken: „Wenn sie ihm den Markt überlassen, bekommt Juve nicht einen neuen Trainer, sondern einen neuen Stil. Dann holt er keinen Superstar, sondern einen linksfußigen Achter, der das Halbfeld verengt und den Gegner ins Laufduell zwingt. Das ist keine Philosophie, das ist Identität.“
Die Zahlen untermauern es: In den letzten 14 Spielen erzielte Juve 29 Tore – vorher 21 in 20 Partien. Die erwarteten Tore (xG) stiegen von 1,21 auf 1,73 pro Spiel. „Aber wenn du in Woche 25 einsteigst, fehlt dir ein Vorbereitungszyklus. Die Knie brennen, die Köpfe auch. Dafür kann er nichts.“
Galante kennt die Alternative: „Wenn sie ihn jetzt ziehen lassen, landet er bei einem Premier-League-Projekt mit dreifachem Budget. Und Juve? Dann steht da wieder ein ′Pragmatiker′, der 1:0 gewinnt und 0:0 verliert. Die Fans werden noch mehr weglaufen.“

Sein versteck in montaione – und der plan für die nacht
Wenn die Saison vorbei ist, flüchtet Spalletti auf sein Anwesen in der Nähe von Montaione. Drei Hektar Wald, ein Werkzeugschrank voller Schweißgeräte, ein Hund, zwei Esel. „Er baut Schaukeln für die Nachbarskinder, schweißt Torrahmen aus Altmetall. Kein Handy-Empfang. Dort resettet er sich selbst“, sagt Galante. Sollte die Champions League tatsächlich sausen, hat sein Freund schon den Witz parat: „Dann fahre ich hin, wir bestellen vier Pizzen Margherita und schauen, wie er eine Schaukel in den Olivenbaum hängt. Danach legt er los – mit Tabellenführung als Ziel.“
Die Botschaft ist klar: Juve kann Spalletti jetzt feuern und in zwei Jahren seinen Nachfolger feuern. Oder sie lassen den Taktik-Nerd endlich die Vorbereitung bestimmen, statt ihn als Notarzt einzusetzen. Galante zieht die Schultern hoch: „Ich kenne nur einen, der aus Platz sechs wieder Meister wird – und das ist der, der gerade mit Herzen antwortet.“
