Sohn von atletico-legende miranda räumt in montaigu ab – brasiliens nächster abwehrchef?

Lucas Miranda trägt den Druck des Namens wie ein zweites Trikot – und spielt dabei, als wäre es leicht. In Montaigu, dem U16-Weltpokal Frankreichs, führte der Sohn von Joao Miranda die Seleção zum Titel, blieb im Finale gegen Portugal ohne Gegentor und schoss die Brasilianer damit nach 38 Jahren Durststrecke wieder auf den Thron. Drei Jahre nach Endricks historischem Coup hat die canarinha ein neues Gesicht. Es sieht verdammt nach Familie aus.

Captain ohne nervenflattern

Die Parallelen sind keine Zufälle. Auch Vater Joao verteidigte in seiner besten Zeit mit kühlem Kopf und klarer Kommandostimme – 178 Pflichtspiele für Atlético Madrid, fünf Titel, eine Copa América, ein Konföderationen-Pokal. Lucas dagegen spielt erst seit 15 Monaten mit der brazuca in der Jugend, hat schon zwei silberne Pokale im Schrank: vor Jahresfrist gewann er die CONMEBOL Liga Evolución U15, jetzt also Montaigu. Beide Male Kapitän. Beide Male ungeschlagen.

Scouts notieren sich vor allem die variable Deckung: klassischer Innenverteidiger mit Spielaufbau, aber auch wendig genug für den Außenbahn-Einsatz. Seine schnelle linke Sohle erinnert brasilianische Beobachter an Thiago Silva – nur dass Lucas 1,88 m misst und noch wächst. „Er liest das Spiel wie ein altes Buch“, sagte Co-Trainer Fábio Mantovani nach dem Finale. „Und wenn nötig, schlägt er es zu.“

Atlético, inter, são paulo – die wanderschaft zahlt sich aus

Atlético, inter, são paulo – die wanderschaft zahlt sich aus

Die Karriere des Jungen ist ein europäisch-südamerikanischer Patchworkteppich. Vier Jahre lang kickte er in der Akademie von Atlético Madrid, weil Papa damals in der spanischen Hauptstadt aufräumte. Anschließend vier Jahre Inter Mailand – Tiki-Taka und catenaccio in einem Kopf. Seit 2022 baut São Paulo in Cotia an der Endfertigung. Die Mischung macht’s: robust wie ein Italo-Spanier, beweglich wie ein Paulista.

Dank portugiesischem Pass entfällt das Brexit-Gezeter. Premier-League-Klubs sollen schon Fühler ausgestreckt haben, auch Ajax und Benfica haben Datenpakete angefordert. Doch der 16-Jährige betont, noch keine Eile zu haben: „Ich schaue Partido a partido“, sagte er nach dem 3:0 im Halbfinale gegen Frankreich – ganz altmodisch wie ein Profi.

Brasilianer jubeln – und erinnern sich

Brasilianer jubeln – und erinnern sich

Für die verde-amarela war Montaigu mehr als ein Turniersieg. Seit 1984 wartete die U16 auf den Titel, musste Cristiano Ronaldo, Benzema, Mbappé und Pogba zusehen, wie sie die Trophäe in den Himmel hoben. 2022 beendete Endrick den Fluch, nun folgt Lucas Miranda. Im Land, das defensive Routiniers seit Lúcio kaum noch groß feiert, gelten Innenverteidiger plötzlich als galácticos im Werden.

Sein Vater schaute via Livestream, gab sich aber professionell zurückhaltend. „Lucas muss seinen eigenen Weg finden“, sagte Joao Miranda der Folha de S. Paulo. „Der Name öffnet Türen, aber er schließt sie genauso schnell, wenn man sich ausruht.“ Die Warnung hat Gewicht: Joaos älterer Sohn Joao, 20, kickt derzeit in der slowakischen Zweitliga-Reserve von Banská Bystrica – ein Mahnmal für Talent und Timing.

Ende der geschichte? noch lange nicht

Ende der geschichte? noch lange nicht

Montaigu war erst der zweite Akt. Die Südamerikameisterschaft U17 im April 2025 rückt in Sichtweite, danach steht die U20-Weltmeisterschaft 2026 auf dem Kalender. Brasiliens Verband will früh investieren, hat Lucas bereits ins Leistungszentrum in Granja Comary eingeladen. Dort, zwischen Fitnesslabors und Mentoring-Programmen, wird entschieden, ob der nächste Miranda bald nicht mehr nur den Nachnamen, sondern auch die Selecao trägt.

Die Zahl, die bleibt: zwei Titel in 15 Monaten, null Gegentore im Final-K.o. Wenn das kein Blaupause für ein eigenes Kapitel ist. Brasilien wartet auf einen neuen Verteidiger-Führer – und im Estádio do Morumbi schimmert bereits das nächste Regal, wo der Pokal aus Montaigu bald neben Vaters Copa-América-Kelch steht. Die Saga Miranda läuft weiter – nur eben in der nächsten Generation.