Sinner jagt medvedev: so endet das 16. kapitel ihrer tennis-saga
Ein Gähnen war’s, das die Revolte einläutete. November 2021, Turin: Daniil Medvedev räkelt sich nach einem 6:0-Satz gegen Jannik Sinner auf der Bank, der Matchball liegt scheinbar längst in seiner Tasche. Doch der Russe hat die Rechnung ohne den Bozner gemacht. Sinner schaltet auf Angriff, jagt zwei Matchbälle und verpasst den Coup nur um Haaresbreite. Seit diesem Moment wissen beide: Ihr Duell wird ein Krimi mit offenem Ende.
Von 0:6 zu 8:7 – die zahlen, die lügen
Die Bilanz nach 15 offiziellen Duellen lautet 8:7 für Sinner. Klingt knapp, ist es auch. Nur: Die ersten sechs Partien gewann Medvedev, ließ den jungen Südtiroler wie einen Schüler abfertigen. Dann kam Peking 2023. Feuchtigkeit, 500-Punkte-Finale, zwei Tiebreaks – und plötzlich stand Sinner erstmals oben. „Ich habe gelernt, dass es nicht reicht, stabil zu sein“, sagt er danach, „du musst ihn kalt erwischen.“
Seitdem rollt der Ball. 2024 treffen sie sich sieben Mal auf vier Kontinenten, sechs Mal gewinnt Sinner. Melbourne liefert das Mammut: Zwei Sätze zurück, fünf Stunden Tennis, 22 Winner im fünften Satz. Medvedev erlebt seine eigene Nadal-Final-Panik von 2022 neu. Der Russe flucht, Sinner lächelt kühl: „Ich habe ihn jahrelang studiert, er macht mich besser.“

Der einzige fremdkörper: wimbledon
Ein Schönheitsfehler bleibt: das Viertelfinale von Wimbledon. Vier Stunden, fünfter Satz, Medvedev zieht den Kopf ein, Sinner klagt über Kreislaufprobleme – und die Clostebol-Affäre wirft ihren Schatten. Der Russe ballt die Faust: „Ich wollte ihm zeigen, egal wie oft wir uns sehen, ich bleibe da.“ Es ist sein letzter Sieg im direkten Vergleich, beinahe ein Befreiungsschlag.
Doch die Serie dreht sich weiter. Miami, New York, Shanghai, Turin – alles Sinner. Medvedevs einstige Spur des Schreckens verwandelt sich in ein Schachbrett, auf dem der Italiener die Züge übernimmt. Was bleibt? Die Erkenntnis, dass ein einziges Gähnen reichte, um eine der spannendsten Rivalitäten der Tennis-Ära zu entfachen.
Nummer 16 steht an, Finale in Indian Wells. Wer zuerst blinzelt, verliert. Die Wüste wartet – und sie hat kein Erbarmen.
