Sinner jagt double: nur eine show, kein turnier – das ist sein wimbledon-plan
Jannik Sinner tritt nicht bei Queen‘s oder Halle an. Er spielt vom 23. bis 27. Juni ein einziges Mal auf Gras – und das bloß zur Show. Die Entscheidung ist so kühn wie riskant, doch der Weltranglistenerste sieht darin seinen Königsweg, den Titel in Wimbledon zu verteidigen.
Das exklusive revier von fulham
Das Giorgio Armani Tennis Classic im Hurlingham Club gilt als versteckter Probelauf vor der Championships. Keine ATP-Punkte, keine brutale Vorrunde, nur sechs Matches vor gepflegtem Publikum und Champagner-VIP-Tribüne. Sinner trainierte gestern bereits in Monte Carlo, nachdem die Ärzte im San Raffaele in Mailand grünes Licht gaben. Der leichte Muskelbündelriss, der ihn in Roland-Garros stoppte, ist auskuriert. Die Vespa-Tour durch die Kasernenstraße nach der Untersuchung war Instagram-Material – und zugleich die Visitenkarte eines Mannes, der keine Sekunde verlieren will.

Italiens gras-armada
Neben Sinner reisen Flavio Cobolli und Luciano Darderi an. Cobolli, frisch in die Top 10 geschossen, profitiert vom Final-Run in Paris und sucht den Rhythmuswechsel. Darderi, der staubige Challenger-Killer, wagt seine erste ernste Gras-Sonde. Mit von der Partie sind außerdem Casper Ruud (ATP 14), Karen Khachanov (15), Learner Tien (19) und der einzige britische Hoffnungsträger Cameron Norrie (29), Halbfinalist von 2022. Das Turnier feiert seine 32. Ausgabe – noch nie hatte es einen so prominenten Feldzug.

Warum sinner alles auf eine karte setzt
Die Taktik ist simpel: keine zusätzlichen Matches, keine tiefen Schnitte in den Rasen, keine Überraschungen wie in Halle 2023, als er schon im Achtelfinal ausschied. Stattdessen fünf Tage Show-Spaß, anschließend ein Wochenende zum Akklimatisieren. Dann Start am 29. Juni in Wimbledon – und der Anspruch, als erster Titelverteidiger seit Roger Federer 2017 wieder im Finale zu stehen. Das klingt verwegen. Für Sinner ist es Rechnerei statt Risiko.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit 2020 hat der Südtiroler nur zweimal vor Wimbledon ein Rasenturnier gespielt – und beide Male den Titel geholt. Jetzt kommt das dritte Mal, nur ohne Punkte. Die Entscheidung steht. Und sie wird London in zwei Wochen entwider als Geniestreich feiern – oder als verpasste Chance verfluchen.
