Shiffrin und aicher: trotz 125-punkte-comeback in åre lachen sich die rivalinnen ins fäustchen

125 Punkte Rückstand, nur noch zwei Rennen, eine Kristallkugel – und twittern wie beste Freundinnen. Mikaela Shiffrin und Emma Aicher spielen ihre Privatfehde in Åre als Slapstick statt Krieg.

Die US-Amerikanerin postete am Dienstagabend ein Selfie mit Schweizerin Camille Rast im Mietwagen, Hashtag Schweden-Landung erledigt. „Emma, wo bist du?“, schrieb Shiffrin in die Story. 22 Minuten später antwortete Aicher aus deutscher Couchlage: Teebecher auf dem Bauch, Pyjama, Smiley. „Bin auf dem Weg (bald lol).“ Die Konkurrenz lacht, die Fans liken, die Points-Tabelle brennt.

Hinter der gag-show brodelt die kugel

Die Mathik ist gnadenlos. Shiffrin führt vor dem Riesenslalom am Freitag und dem Slalom am Samstag mit 1.036 Zählern auf 911. Theoretisch reicht der US-Star ein achter Platz, praktisch kann Aicher mit zwei Siegen noch alles drehen. Die 22-Jährige hat in dieser Saison fünf Mal gewonnen – zweimal, wenn Shiffrin früh ausstieg. Die größte Unbekannte: Åres brutale Steilheit. Dort flog Shiffrin 2019 aus, Aicher feierte dort im Europacup ihren ersten Podeststurm.

Doch die Videos zeigen keine Anspannung. Shiffrin tanzt in der Skiwax-Halle auf ABBA, Aicher schickt der Mutter ein Foto vom Flughafen-Balken „Gate 12 – last call“. Staff-Chef Wolfgang Maier schüttelt den Kopf: „Wenn die beiden so locker bleiben, wird’s richtig schnell.“

Die letzte fahrt vor der quittung

Die letzte fahrt vor der quittung

Die Saison ist längst zur Psychosequenz geworden. Nach Val di Fassa patzte Aicher im Torlauf – 24 Hundertstel fehlten aufs Podest, 80 Punkte auf Shiffrin. „Ich bin angepisst“, sagte sie damals vor laufender Kamera. Jetzt sitzt sie am Kamin, postet Herzchen-Emojis und wirkt, als würde sie das Finale als Freiluft-Theater auffassen.

Shiffrin dagegen muss ihre eigene Historie schützen. Gewinnt sie die Gesamtwertung, wäre es die fünfte Kugel nach 2017, 2018, 2019 und 2023 – und die erste nach ihrer Kreuzband-Pause. Verliert sie, wäre es die erste Saison seit 2014, in der eine Deutsche die große Kugel holt.

Um 10:15 Uhr startet am Freitag der erste Durchgang, 56 Tore, 1.200 Höhenmeter, eine schwedische Eiswand. Die Stimmung bleibt locker, die Spannung sitzt tief in den Beinen. Am Samstag nach dem Slalom steht die Antwort: Entweder Shiffrin krönt sich zur alleinigen Rekordhalterin – oder Aicher schreibt das Märchen vom Teebecher bis zur Kristallkugel zu Ende. Wer zuletzt lacht, fährt nach Hause – mit 20 Kilo Blei im Koffer.