Shiffrin lässt aicher in lillehammer freie bahn – 140 punkte vorsprung reichen nicht
Mikaela Shiffrin schreibt auf Instagram, sie verzichte auf die Abfahrt – und schon zittert die Kristallkugel. Die 30-Jährige nimmt ihre Konkurrentin Emma Aicher nicht auf die Streckenschneise, sondern in die drei verbleibenden technischen Disziplinen mit. 140 Punkte Vorsprung klingen nach Polster, doch Aicher kann in Norwegen maximal 400 Punkte kassieren. Die Rechnung ist einfach: Fällt Shiffrin zweimal aus, ist der Cup weg.
Die strategie hinter dem verzicht
Shiffrin hat die Abfahrt nie geliebt. In 14 Saisonrennen stand sie nur viermal am Start, holte dabei 104 Punkte – Schnitt: 26. Im Slalom dagegen sammelte sie 660 Zähler, im Riesenslalom 510. Ihr Trainer Mike Day bestätigt: „Wir setzen auf die Disziplinen, in denen Mikaela die Kontrolle hat.“ Der Super-G am Sonntag gilt als Kompromiss: technisch genug, um Risiko zu verringern, schnell genug, um nicht zu viele Punkte abzugeben.
Aicher fährt dagegen Vollgas. Die 22-Jährige aus Oberstdorf kann in der Abfahrt 100 Punkte aufholen, im Super-G weitere 100. Ihre Saisonbilanz: vier Siege, acht Podeste, kein Ausscheiden seit Val d’Isère. „Ich habe nichts zu verlieren“, sagt sie vor dem ersten Training. „Mikaela muss rechnen, ich kann angreifen.“

Die stunde der wahrheit beginnt am sonntag
Um 10.45 Uhr startet der Super-G auf der Olympiabahn. Shiffrin hat Startnummer 7, Aicher läuft als 9. Drei Sekunden trennen ihre Bestzeiten auf der Piste – in einem Rennen, das über zwei Wochen Weltcup entscheidet. Die Buchmacher sehen Shiffrin trotzdem vorne: Quote 1,55 gegen 3,20 für Aicher. Die Zahlen täuschen. 2025 riss Shiffrin im finnischen Levi vor dem letzten Slalom noch einen 180-Punkte-Rückstand – und verlor.
Nach dem Riesenslalom am Mittwoch ist alles gesagt. Dann steht entweder Shiffrin mit fünf Gesamtweltcups allein bei den Rekordhaltern, oder Aicher wird jüngste Gesamtweltcup-Siegerin seit 2013. Die Frage ist nicht mehr, wer schneller fährt. Die Frage ist: Wer schläft in den nächsten vier Nächten besser?
