Senegal trotzt dem verdikt und schwenkt den pokal – der afrika-cup wird zur farce

Paris sah gestern nicht nur Peru, sondern auch einen Pokal, der eigentlich längst enteignet ist. Senegals Elf um Nicolas Jackson spazierte mit dem Afrika-Cup in der Hand ins Stade de France, als hätte das Berufungsgericht des CAF nie existiert. Ein Akt der Unbeirrtheit, der die Tribüne jubeln ließ – und die Funktionäre in Kairo rasend macht.

Die trophäe, die keiner mehr berühren dürfte

Der Hintergrund: Nach dem Tumult-Finale vom 18. Januar kassierte der Senegal den Titel korrekturecht. Das 1:0 nach Verlängerung wurde annulliert, weil die Mannschaft den Platz vorzeitig verlassen hatte. Die Wertung: 3:0 für Marokko. Doch statt sich zurückzuziehen, inszenierte die Mannschaft in Paris eine demonstrative Ehrenrunde – inklusive Selfies, Gesänge, Pokal-Kuss. Ein Schlag ins Gesicht der Regelhüter.

Die Szenerie wirkt wie ein Film, der ausgerechnet in der letzten Einstellung neu gedreht wurde. Die senegalesische Delegierte präsentierte die Trophäe sogar im Kabinengang, als wäre sie ein Pfand ihrer Unverletzlichkeit. Dabei liegt der Fall bereits beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne. Die nächste Anhörung steht bevor, doch wer die Bilder aus Paris gesehen hat, der spürt: Für die Spieler steht der sportliche Sieg bereits fest.

Marokko schweigt, der verband brodelt

Marokko schweigt, der verband brodelt

Die marokkanische Seite hält sich bedeckt. Offiziell. Inoffiziell schlagen in Rabat die Emotionen höher als bei einem Atlas-Cyclon. Der Verband hat intern bereits Signal gegeben, man werde „keine weiteren Provokationen dulden“. Was genau das bedeuten soll, bleibt offen. Klar ist: Sollte der CAS-Spruch zugunsten Marokkos ausfallen, würde die Pokal-Schwenk-Aktion als zusätzlicher Beweis für „unsportliches Verhalten“ herhalten.

Der senegalesische Verband wiederum kündigt an, „jedes juristische Mittel“ ausschöpfen zu wollen. Eine Drohung, die angesichts der Bilder aus Paris fast schon als Nebensache wirkt. Denn egal, wie das Urteil fällt – in den Köpfen der Fans hat der Senegal bereits gewonnen. Und ein Pokal, der einmal in den Händen von Sadio Mané und Pape Gueye war, will dort offensichtlich auch bleiben.

Die Afrikas Fußballfamilie steht vor einem Scherbenhaufen. Regelwerk gegen Realität, Urteil gegen Emotion. Wer braucht schon einen offiziellen Titel, wenn die eigene Fanschar den Pokal bereits in die Luft emporhebt? Für den Sport bedeutet das: Das nächste Kapitel entscheidet sich nicht auf dem Rasen, sondern in einem Gerichtssaal in der Schweiz. Dort wird dann auch stehen, ob Trophäen künftig nur noch aus Plexiglas oder aus purem Selbstbewusstsein gemacht sind.