Sechs nationen: italien verspielt historische chance – wales feiert befreiungsschlag

Cardiff – Ein Ruck, ein Aufschrei, und dann Stille. Die italienische Rugby-Nationalmannschaft kam als Helden von Twickenham, verließ den Millennium Stadium aber als leere Hülle: 17:31 gegen Wales, die dritte historische Sieg im Sechs-Nationen-Turnier wurde zur Fata Morgana.

Wainwrights doppelschlag setzt frühes signal

Nummer-8 Aaron Wainwright brauchte nur Viertelstunde, um die Azzurri zu entzaubern. Erste Pick-and-Go-Aktion, drei Halbherzige Tackles – Versuch. Fünf Minuten später identische Szene, identisches Resultat. 14:0, der Glaube war gebrocigt, bevor das Spiel überhaupt Fahrt aufnahm. Hooker Dewi Lake machte mit dem dritten Touchdown nach maul-Perfektion den Sack vor dem Tee zu, während Dan Biggar-Nachfolger Dan Edwards unbeirrbar die Extrapunkte versiegelte.

Die Bilanz zur Pause: 21:0 für die Drachen, 15. Pleite in Serie aus deren Sicht auf Eis gelegt. Für Italien zählte nur eine Statistik: 50 Minuten ohne Punkt, 50 Minute ohne Antwort.

Edwards’ solo und der drop zum 31:0

Edwards’ solo und der drop zum 31:0

Kurz nach Wiederanpfiff jagte Edwards selbst den letzten Optimist ins Getränkezelt. Solo-Lauf durch die Mitte, fixe Schritte, 22-Meter-Bogen – 26:0. Drei Minuten später Drop-Kick aus 30 Metern, 31:0. Die Waliser feierten jeden Zähler wie ein Finale, während italienische Schultern sichtbar klappten.

Erst in der 52. Minute weckte Ersatz-Hooker Tommaso Di Bartolomeo seine Mannschaft mit einem Maul-Touchdown. Tommy Allan legte nach, doch zwei weitere Versuche von Monty Ioane und Leonardo Marin landeten im Video-Bunker – Zentimeter-Entscheidungen gegen Italien. Der Schlusspunkt blieb Paolo Garbisi vor, doch der 31:17-Endstand schmeckt nur nach einer Lehrstunde, nicht nach Erfolg.

Die zahlen, die weh tun

Die zahlen, die weh tun

Neun Punkte standen am Ende für Italien zu Buche – beste Ausbeute seit 2018, doch die elf Versuche in fünf Spielen kassiert zeigen die Risse in der Defensive. Wainwright allei trug 25 Ballkontakte bei, mehr als jeder italienische Forward zusammen. Und: erstmals seit 15 Monaten blieb Italien eine Halbzeit ohne eigenen Punkt.

Coach Gonzalo Quesada sprach von „einem Blackout auf Augenhöhe“, doch wer 50 Minuten schläft, darf sich nicht wundern, wenn der Gegner aufwacht. Der geplante Sprung nach vorne wird zur Schadensbegrenzung: England trifft später am Abend auf Frankreich – sollten die Rose fünf Punkte holen, rutscht Italien auf den letzten Rang zurück.

In Rom wird man die Partie als verpasste Sternstunde werten, in Cardiff als Seelenbalsam. Für Wales ist der Holzlöffel vorerst abgewendet, für Italien bleibt die Erkenntnis: Geschichte schreibt nur, wer 80 Minuten lang präsent ist – nicht nur, wer sie sich erhofft.