Schweden nominiert em-geplagtes b-team – bundsen nur halb dabei

Schweden geht ohne Druck, aber mit einem Haken in die letzte Quali-Woche: Johanna Bundsen reist nur fürs Ukraine-Spiel, danach fehlt die Metz-Keeperin – und mit ihr 120 Länderspiele Erfahrung.

Tomas axner setzt auf rotation stars

Die Tickets für die EM 2026 sind seit Dezember gebucht, deshalb schickt Nationaltrainer Tomas Axner seine 17-köpfige Crew mit klarer Marschroute: «Entwicklung vor Ergebnis». Die 34-jährige Bundsen wird am 8. April in Kiew zwischen den Pfosten stehen, fliegt aber direkt nach Abpfiff zurück – ein Luxus, den sich Schweden leisten kann, weil Stina Littorin als Ersatz bereits in Kosta wartet. Pro Partie dürfen nur 16 Feldspielerinnen gemeldet werden, zwei Plätze bleiben frei für Emma Andersson und Isabelle Ryden, die als «Entwicklungsspielerinnen» Trainingsminuten sammeln dürfen, aber offiziell nicht auflaufen.

Der Kader liest sich wie ein Who-is-Who der skandinavischen Liga-Exporte: Nathalie Hagman (Györ), Olivia Löfqvist (Team Esbjerg) und Emma Olsson (BVB) treffen auf den frischen Schwedinnen-Turbo Tyra Axner, die als einzige Nominierte noch keine 20 Länderspiele hat. Die Nennung der 19-Jährigen ist kein Gefallen für den Trainer – ihr Vater ist Tomas Axner. «Sie schafft es sich selbst», beteuert der Coach und verweist auf 6,2 Tore im Schnitt in der franzischen Liga.

Ukraine und litauen dienen als testlabor

Ukraine und litauen dienen als testlabor

Die Gegner sind vor allem eins: unbequem. Die Ukraine kratzte im Hinspiel erst in der 57. Minute ab, Litauen spielte sich in der Gruppe C bereits mit einem 24:24 gegen Titelkandidat Dänemeld in die Köpfe. Für Schweden zählt aber nicht der Punktezuwachs, sondern die Verteilung von Spielzeit: Jenny Carlson und Emma Lindqvist sollen als Kreisläuferinnen neue Automatismen finden, während Clara Lerby auf Linksaußen ihre Trefferquote nach oben schrauben will – aktuell liegt sie bei 54 Prozent, ein Wert, der für Györ-Niveau reicht, aber nicht für Schwedens Anspruch.

Die Moral ist trotz der Bedeutungslosigkeit hoch. «Wir wollen beide Spiele gewinnen, weil wir uns selbst messen», sagt Jamina Roberts, die mit 176 Länderspielen die dienstälteste Feldspielerin ist. Ihr persönlicher Ansporn: Mit sieben Toren würde sie auf 400 Treffer kommen – ein Kunststück, das nur fünf schwedische Feldspielerinnen vor ihr schafften. Die Quote spricht für sie: In der aktuellen Saison traf sie in 20 Pflichtspielen 68-mal.

Für die Fans bleibt ein Wehmutstropfen: Die Partie in Kiew wird nicht im schwedischen TV übertragen, weil der ukrainische Verband die Rechte an einen lokalen Streamingdienst verkaufte. In Kosta dagegen erwarten die Organisatoren 3.200 Zuschauer – ausverkauft seit drei Wochen. Die Gemeinde hat das Hallendach frisch streichen lassen, die Hymne wird vom Frauenchor «Kosta Voices» gesungen. Ein kleiner Rahmen, der zeigt: Auch ohne Pfiff im Nacken kann Handball Emotionen erzeugen.

Schweden wird die Qualifikation als Gruppensieger beenden, das steht fest. Doch die wahren Gewinner könnten am Ende Emma Andersson und Isabelle Ryden sein – wenn sie sich in Kosta ins Gedächtnis spielen. Denn wer jetzt überzeugt, steht im nächsten Sommer plötzlich im EM-Kader. Und dann zählt kein Entwicklungsstatus mehr, sondern nur noch der Treffer im richtigen Moment.