Schiavone feuert tennis-italia an: „unsere kids machen das unmögliche normal“

Paris – Schweißperlen auf der Oberlippe, ein Herz, das pocht wie vor 14 Jahren. Im Schatten des Court Philippe-Chatrier steht Francesca Schiavone und schaut auf das Bild, das sie selbst zum Mythos machte: die Embrace mit der Suzanne-Lenglen-Trophäe 2010. Ein Fingerschnippen später ist sie wieder Coach, Mentorin, Legende – und liefert die Soundtrack-Zeile für das, was hier gerade passiert: „Diese Jungs beweisen, dass Hingabe alles andere als Glück ist.“

„Der vierte satz von cobolli war ein lehrbuch“

Die 43-Jährige spricht nicht in Floskeln. Sie spricht von Flavio Cobolli, der im Achtelfinale gegen Auger-Aliassime aus kurz vor 0:2 Sätzen einen Big-Bang zündete. „Fast verloren, dann die Angst, schließlich die Kontrolle zurückerobern – das ist Tennis pur“, sagt Schiavone. Für sie ein Signal an jeden Nachwuchsballjungen in Palermo oder Bozen: „Technik kann man trainieren. Charakter muss man leben.“

Und es gibt ein Wiedersehen mit alter DNA. Matteo Berrettini krallt sich nach monatelanger Verletzungspause wieder ins Rampenlicht. „Ein Champion ist nicht seine Weltranglistenposition“, so Schiavone. „Er ist die Summe seiner Wunden und der Wille, trotzdem noch einmal aufzustehen.“

Jannik sinner: „er wird schon auf dem rasen zurückschlagen“

Jannik sinner: „er wird schon auf dem rasen zurückschlagen“

Das frühe Aus des Südtirolers? Ein Kratzer im Lack, kein Crash. Fünf Masters-Titel in Serie haben einen Preis: „Jannik spielte mit der Handbremse im Kopf, aber er ist ein Master der Nervenkontrolle. Ich tippe auf Wimbledon – da wird er wieder in Bestform sein.“ Schiavone lobt vor allem dessen Return-Spiel: „Früher reagierte er, heute liest er. Er positioniert sich schon vor dem Aufschlag, als hätte er die Zukunft gesehen.“

„Bei den frauen zählen zehn kandidatinnen“

„Bei den frauen zählen zehn kandidatinnen“

Das Damen-Tableau? Offen wie einst bei den Herren. „Sabalenka ist konstant, aber nicht unschlagbar“, sagt sie. Stattdessen verweist sie auf technische Spielereien: „Svitolina umkreist den Ball, um mit dem Vorhand-Inside-In zu enden – so was lernt man nicht im Tennis-Camp.“ Und dann kommt der Satz, der viral geht: „Ich bin tennissüchtig nach Fonseca. Der Brasilianer schlägt Vorhands Winner mit einer Bewegung, die ich als Coach nie lehren könnte.“

Serenas comeback: „sie macht uns alle wieder jung“

Serenas comeback: „sie macht uns alle wieder jung“

Als wäre die Hitze nicht genug, platzt die Bombe: Serena Williams kehrt zurück. Schiavones Augen funkeln: „Glauben Sie mir, wenn sie und Venus im Doppel antreten, steht nicht nur das Stadion still – die Zeit auch.“

Ein letzter Blick auf die Trophäe, ein letzter Satz: „Italien dominierte, dominiert und wird dominieren. Weil wir lernen, dass Talent nur der Anfang ist – und Charakter das Ende.“