Schalke rauf – aber oben bleiben? die zahlen, die zweifel nähren
1:0 gegen Düsseldorf, 62.000 Ränge, ein Maskottchen namens Erwin, das sich die Seele aus dem Leib heult – und plötzlich ist Schalke wieder erstliga-reif. Drei Jahre nach dem Absturz in die 2. Bundesliga hat der FC Schalke 04 den Aufstieg perfekt gemacht. Doch während die Fans auf den Rängen von der Gladbacher Straße noch „Aufstiegs-Helden“ grölen, brodelt hinter den Kulissen die große Angst: Wird es diesmal anders?
Die historie warnt – und die kasse auch
2022 stieg Schalke als Tabellenzweiter auf, 2023 ging es als Letzter wieder runter. Die Bilanz: 34 Spiele, 31 Punkte, 35 Gegentore in der Rückrunde. Ein Desaster, das bis heute nachhallt. Die Lektion: Nur zu jubeln reicht nicht, wenn die Infrastruktur bröckelt. Die Lizenzauflagen für 2026/27 sind erfüllt, aber das Eigenkapital ist laut Geschäftsbericht auf 38 Millionen Euro geschrumpft – ein Wert, den ein einziger Bundesliga-Abstieg wieder ausradiert.
Trainer Karel Geraerts hat die Mannschaft mit 4-2-3-1 stabilisiert, die zweitbeste Defensive der Liga (37 Gegentore) spricht Bände. Doch der belgische Coach warnt: „Wir haben 17 Spieler mit Erstliga-Erfahrung, aber nur fünf, die dort über eine komplette Saison durchgehalten haben.“ Die Torschwäche war im Winter noch so groß, dass der Klub beim 35-jährigen Simon Terodde anklopfte – der inzwischen 73 Treffer für Schalke erzielt hat, aber im Mai 38 wird.

Die umfrage zeigt: zweifel sind angekommen
In unserer TSV-Pelkum-Sportwelt-Umfrage votierten bisher 8.412 Fans – und nur 41 Prozent glauben an den Klassenerhalt. Die Begründungen im Kommentarfeld lesen sich wie ein Protokoll eingefleischter Schalker: „Bis wir einen Sechser finden, der nicht nur grätscht, sondern auch spielt“, schreibt Nutzer „Königsblau-Ralf“. Oder: „Wenn die Amis wieder Kohle für einen Rechtsverteidiger mit Schnittchen-Fuß rauskloppen, stehen wir 2027 im TV-Sportpark wieder.“
Die sportliche Leitung um Andreas Müller plant dennoch keinen radikalen Umbruch. Stattdessen soll ein Analytics-Team aus Köln die Belastungssteuerung übernehmen – ein Schritt, der in der 2. Liga noch Zukunftsmusik war. Die neue medical unit soll Verletzungen wie die Kreuzband-Risse von Latza und Bülter verhindern, die beiden Saisonen zuvor den Kader dezimierten.
Am Samstagabend stand Erwin, das blau-weiße Maskottchen, noch auf dem Rasen, die Knie zittrig vom Feiern. Die Fans skandierten „Einmal Bundesliga, immer Bundesliga“. Dabei wissen sie genau: Die Rechnung für den Aufstieg kommt erst im August, wenn Bayern, Leipzig und Leverkusen in die Arena rollen. Schalke ist zurück – aber ob es diesmal länger als zwölf Monate dauert, entscheidet sich nicht auf der Fanmeile, sondern in 34 Spielen, in denen jeder Punkt zählt. Die zweite Liga hat der Klub verlassen. Die Erste wartet schon – und sie ist bekanntlich kein Wohngemeinschaftsprojekt.
