Scariolo bleibt! pérez' überraschender rettungsanker im basketball-chaos

Madrid – Ein Erdbeben im weißen Trikot: Sergio Scariolo, der Trainer, dem Real Madrid eine Saison ohne Titel bescherte, bleibt an Bord. Fünf Titel vergeben, eine Saison als katastrophal gebrandmarkt – normalerweise wäre der Rauswurf unausweichlich gewesen. Doch Florentino Pérez, der Präsident, hat entschieden: Scariolo bekommt eine weitere Chance. Eine Entscheidung, die selbst eingefleischte Fans überrascht.

Der präsident als retter in der not

Die Entlassung Scariolos schien besiegelt, nachdem Madrid in der Liga sensationell an La Laguna Tenerife scheiterte, einem Team mit einem deutlich kleineren Budget. Die Bilanz war schmerzhaft: Supercopa, Copa del Rey, EuroLeague, die nächste Supercopa – alles verloren. Doch der Wind drehte sich, als Pérez bei den Präsidentenwahlen einen Erdrutschsieg feierte. Und mit ihm offenbar auch Scariolos Job.

Emilio Butragueño, einst als 'überlegene Persönlichkeit' gepriesen, hätte wohl kaum an der Entlassung seines Trainers gezweifelt. Es scheint, als sei Scariolo im besten Moment aufgetaucht, als Pérez seine Macht neu festigen wollte. Eine Art göttliche Fügung, wie man in Madrid munkelt – und das hat wenig mit einem Besuch des Papstes zu tun.

Ein vertrag, der fast ausgelaufen wäre

Ein vertrag, der fast ausgelaufen wäre

Scariolo selbst schien mit seinem Schicksal abgefunden. „Meine Zukunft? Das ist eine Frage für den Verein“, hatte er nach dem blamablen Ausscheiden gegen La Laguna gesagt. Er hatte einen Vertrag über drei Jahre, der von seinem Vorgänger Juan Carlos Sánchez ausgehandelt wurde – ein Abschiedsgeschenk, das nun plötzlich eine neue Bedeutung erhielt. Doch Pérez, der Mann, der letztendlich den Verein verkörpert, hat entschieden, dass Scariolo mindestens eine weitere Saison die Verantwortung trägt.

Es ist eine Art Gnadenakt, eine Entscheidung, die an politische Vergabe in Regierungsübergängen erinnert, wo neue Machthaber alte Schulden erlassen. Scariolo muss nun beweisen, dass er aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Die Aufgabe ist gewaltig: Das Team muss wieder aufgebaut werden, denn Abgänge wie Trey Lyles und möglicherweise auch Mario Hezonja stehen bevor.

Die Bilanz ist eklatant: Scariolo ist der einzige Trainer in der 97-jährigen Geschichte des Clubs, der drei Saisons ohne Titel verbringen darf. Eine erschreckende Statistik, die zeigt, wie außergewöhnlich seine Situation ist.

Und dann ist da noch die schwierige Beziehung zur madridistischen Anhängerschaft, die ihn in den letzten Spielen ausgepfiffen hat. Ein Druck, mit dem er leben muss, wenn die Ergebnisse wieder ausbleiben. Die vergangene Saison war eine Lehrstunde – für alle Beteiligten. Die Zukunft wird zeigen, ob Scariolo die Herausforderung meistern kann.

Die Geschichte lehrt: In Madrid ist Titelabstinenz selten ohne Konsequenzen. Zehn der bisherigen 15 Titel-losen Saisons endeten mit einem Trainerwechsel. Doch diesmal scheint es anders zu sein. Ob Scariolo diese Gnade erwiesen werden kann, hängt nun allein von seinen Leistungen in der kommenden Saison ab. Die Messlatte liegt hoch – sehr hoch.